MARKTSTIMMEN

Dieser Gründer liefert ein digitales Tool für KMU

Das Jungunternehmen Aequitec unterstützt Firmen bei der digitalen Durchführung von Aktionärsversammlungen.
15.10.2020 08:30
Stefan Mair
Gründer Johannes Schneebacher hat eine Bankerkarriere hinter sich - und startet als Gründer durch.
Gründer Johannes Schneebacher hat eine Bankerkarriere hinter sich - und startet als Gründer durch.

Die Business-Idee

Nicht börsenkotierte kleine und mittelgrosse Firmen müssen zunehmend die gleich strengen Compliance-Vorschriften einhalten wie grössere Unternehmen. Die Firma Aequitec will den KMU dafür ein digitales Tool zur Verfügung stellen, mit dem sich Shareholder-­Meetings effizient und digital abwickeln lassen und kritische Informationen von überall leicht abrufbar sind und gespeichert werden können – während gleichzeitig alle Sicherheitsstandards bei diesen sensiblen Prozessen eingehalten werden. Angeboten wird zudem eine Art Register für Namenaktien. Zielkunden sind Firmen mit nicht kotierten Namenaktien, welche Kapitalerhöhungen oder eine Nachfolgere­gelung planen oder Inhaberaktien in Namenaktien umwandeln müssen. Das Unternehmen startete seinen Betrieb erst vor wenigen Monaten. Innerhalb von Wochen wurde eine funktionierende App auf die Beine gestellt und wurden Praxistests erfolgreich durchgeführt.

 

 

Der Gründer

Johannes Schneebacher, der als Chef des Unternehmens firmiert, hat eine lange Karriere als Direktor einer Bank in Südtirol in Italien hinter sich. Der Wechsel zum Leben als Start­up-Gründer verlief erstaunlich friktionslos. In der Bank war Schneebacher eingebettet in komplexe Entscheidungsmatrizen und Hierarchiestufen. Im Startup ist die Geschwindigkeit der Innovationskraft sehr stark spürbar. Schneebacher entschied sich dafür, in der Schweiz zu gründen, weil er hier mit der grossen KMU-Szene seine Kernzielgruppe sehe und weil das Startup-Ökosystem im Vergleich zum italienischen attraktiver sei, wie er sagt. In Italien gebe es noch zu wenig Bewusstsein für die Dringlichkeit und den Wert von innovativen Jungunternehmen. Mit im Kernteam von Aequitec sind Dirk Sebald und Christian Wilk.

Der Markt

Einige Konkurrenten wollen Firmen dabei unterstützen, ihre Führungs- und Gover­nance-Prozesse zu digitalisieren und dabei strengste Sicherheitsstandards einzuhalten. Sherpany etwa hat eine Meetingsoftware bereitgestellt, die von vielen Firmen genutzt wird. Für Aequitec geht es jetzt darum, die Kundenakquise für die eigene Applikation zu verstärken. Ein Proof of concept mit einem Kunden ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Ob der Digitalisierungsschub durch Corona auch die Governance-Prozesse der Schweizer KMU digitalisiert, bleibt aber abzuwarten.

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Das Kapital

Alle drei Firmengründer sind mit ihrem ­eigenen Kapital in das Unternehmen investiert. Mit einem externen Investor wurden die Startmittel aufgestockt. Das Unternehmen ist offen für weitere Investoren, die die nächsten Ent­wicklungs- und Expansionsschritte begleiten. «Aequitec geht es in erster Linie um die Verschlankung und Verbesserung der bishe­rigen, etablierten Prozesse im Unternehmen – sei es bei der Aktienübertragung oder bei der Abhaltung von Generalversammlungen», so die Gründer.

Die Chance

Viele KMU führen ihr Aktienregister immer noch via Excel-Tabellen. Mithilfe der App von Aequitec soll hier eine digitale und funktionale Lösung geboten werden. Die Corona-­Krise mit der viel schwieriger gewordenen physischen Durchführung von Generalversammlungen hat einige Perspektiven für Jungunternehmen eröffnet, die auch in diesem Bereich eine digitale Alternative bieten. Die postalische Vorbereitung von Generalversammlungen, bei denen es etwa bei Abstimmungen zu Anfechtungen kommen kann, soll mit Aequitec ein Ende haben. Hat die Lösung in der Schweiz Erfolg, ist auch eine Expansion in andere Länder für das Jungunternehmen denkbar.

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