Drei Viertel des produzierten Honigs enthalten Neonikotinoide

Drei Viertel des weltweit produzierten Honigs enthalten Neonikotinoide. Die Konzentration der hochwirksamen Insektengifte liegt zwar unter den Grenzwerten, die Neonikotinoide gelten aber als mitverantwortlich für das Bienensterben.
05.10.2017 20:00

Ein Team von Schweizer Forschenden hat zwischen 2015 und 2016 198 Honigproben aus der ganzen Welt auf den Gehalt von Neonikotinoiden untersucht. Die Wissenschaftler der Universität Neuenburg und des Botanischen Gartens Neuenburg bezogen die fünf meistgenutzten Neonikotinoiden in ihre Untersuchung ein.

Wie die Forscher in der Zeitschrift "Science" berichten, enthielten drei von vier Proben mindestens eine der fünf Substanzen. Aufgeschlüsselt nach Regionen ergaben sich grosse Unterschiede. So waren 86 Prozent der Proben aus Nordamerika kontaminiert, wie die Universität Neuenburg am Donnerstag mitteilte.

Neonikotinoid-Rückstände fanden sich in 80 Prozent der asiatischen Proben und in 79 Prozent der europäischen. Am wenigsten kontaminiert waren die Honigproben aus Südamerika (57 Prozent).

Am meisten Proben (45 Prozent) enthielten zwischen zwei und fünf der meistgebrauchten Substanzen. 30 Prozent der Proben waren nur mit einer Art Insektengift kontaminiert, jede zehnte Probe enthielt gar vier bis fünf.

Dabei bleiben die Konzentrationen der einzelnen Stoffe unter den Grenzwerten für den menschlichen Verzehr, wie die Autoren schreiben. Bei zwei Proben, die alle fünf untersuchten Neonikotinoide auf einmal enthielten, wurde diese Grenze aber überschritten.

Die grosse Mehrheit der untersuchten Proben gefährde die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten nicht, resümiert Erstautor Edward Mitchell, Professor im Labor für Biodiversität des Bodens an der Universität Neuenburg.

Kritischer ist die Situation für die Bienen. Sie "sind in der ganzen Welt Neonikotinoidkonzentrationen ausgesetzt, die sich auf ihr Verhalten, ihre Physiologie und ihre Fortpflanzung auswirken", wird Mitautor Alexandre Aebi vom Institut für Biologie und Ethnologie der Universität Neuenburg zitiert.

34 Prozent der Honigproben enthielten eine Neonikotinoidkonzentration, die für Bienen schädlich ist. Die Resultate legen nahe, dass Neonikotinoide einen beträchtlichen Teil der Bienen und anderer Bestäuber in Mitleidenschaft ziehen.

Offen bleibt allerdings die Frage, wie sich der so genannte Cocktail-Effekt auf Organismen - seien es Bienen oder Menschen - auswirkt. Von diesem Effekt sprechen Wissenschaftler, wenn mehrere giftige Substanzen auf einmal vorhanden sind.

Grossangelegte Studien seien bei der Vielzahl an Pestiziden, die in der Schweiz zum Einsatz kommen, schwierig, sagte Mitchell. Die Forschung stütze sich deshalb auf Studien, die eine aktive Substanz untersuchten.

(SDA)