Dunkle Materie im All gleichmässiger verteilt als erwartet

Die rätselhafte Dunkle Materie ist womöglich weniger dicht und dafür gleichmässiger im Weltraum verteilt als bisher angenommen. Darauf deutet die Auswertung einer riesigen neuen Galaxien-Durchmusterung hin.
07.12.2016 16:44

Das teilte die Europäische Südsternwarte (ESO) am Mittwoch in Garching bei München mit. Das überraschende Forschungsergebnis könnte demnach Auswirkungen auf unser Verständnis von der Entwicklung des Universums in den fast 14 Milliarden Jahren seit dem Urknall haben.

Die neuen Erkenntnisse gehen auf Auswertungen eines internationalen Astronomenteams zurück. Mit Hilfe von Bildern des VLT Survey Telescope (VST) der ESO in Chile untersuchten die Forscher aus aller Welt, wie das Licht von etwa 15 Millionen Galaxien durch die Gravitationskraft der Materie im Universum beeinflusst wurde.

Dabei gelang es den Wissenschaftlern, die Verteilung der Materie zu kartieren. "Das neueste Ergebnis zeigt, dass die Dunkle Materie im kosmischen Netz, die etwa ein Viertel des Universums ausmacht, gleichmässiger verteilt ist als wir zuvor geglaubt haben", erläuterte Massimo Viola von der Sternwarte Leiden in den Niederlanden.

Die mysteriöse Materie ist nur schwer nachweisbar. Dass sie überhaupt existiert, lässt sich bislang nur aus ihrer Gravitationswirkung schliessen.

Die neuen Erkenntnisse scheinen im Widerspruch zu früheren Ergebnissen des "Planck"-Satelliten der europäischen Weltraumagentur ESA zu stehen: Die "Planck"-Daten liegen bei der Messung, wie dicht die Materie im Universum verteilt ist, nämlich deutlich über dem nun von dem Astronomenteam ermittelten Wert.

Ein solch offenkundiger Widerspruch zu den "Planck"-Ergebnissen bedeutet laut ESO, dass Astronomen nun möglicherweise ihr Verständnis von einigen grundlegenden Aspekten der Entwicklung des Universums neu überdenken müssen.

"Unsere Ergebnisse werden entscheidend dazu beitragen, die theoretischen Modelle weiterzuentwickeln, wie sich das Universum von seinem Ursprung bis heute entwickelt hat", erklärte Hendrik Hildebrandt vom Argelander-Institut für Astronomie in Bonn.

(SDA)