Übernahme in Autobranche - Opel geht Vernunftehe mit Peugeot ein - GM zahlt drauf

Trennung unter Schmerzen: General Motors verkauft seine verlustreiche Europa-Tochter Opel an den französischen Konzern PSA Peugeot Citroen und gibt ihr als Mitgift eine Milliardensumme auf den Weg.
06.03.2017 12:24
Die Opel-Corsa-Parade.
Die Opel-Corsa-Parade.
Bild: ZVG

PSA zahlt für den Rüsselsheimer Autobauer und die britische Schwester Vauxhall 1,3 Milliarden Euro an die Amerikaner. Weitere 900 Millionen Euro erhält GM für das europäische Geschäft der Autobank GM Financial, die Peugeot gemeinsam mit der französischen Bank BNP Paribas übernimmt. Um die Braut hübsch zu machen, muss die US-Mutter allerdings drei Milliarden Euro für die Begleichung von Pensionsverplichtungen an PSA überweisen. Unter dem Strich ist der Deal für den Detroiter Konzern damit ein Minusgeschäft.

"So ist das halt, wenn man ein Problem loswerden will. Man muss in der Regel draufzahlen", sagte Arndt Ellinghorst vom Londoner Investmentberater Evercore ISI. GM-Chefin Mary Barra habe Opel abstossen und PSA-Chef Carlos Tavares das Unternehmen haben wollen. Für die Rüsselsheimer sei dies eine Chance. "Denn mit einem europäischen Partner werden die viel besser unterwegs sein können als mit einem amerikanischen." Die US-Mutter hatte Opel an der kurzen Leine geführt und der Tochter den Verkauf von Autos in den USA und China untersagt. Ellinghorst sieht allerdings für die Zukunft der Auto-Ehe auch Risiken: Derzeit sei der Pkw-Markt in Europa in guter Verfassung. Sollte jedoch eine Rezession aufziehen, wäre Peugeot-Opel ein "Klumpenrisiko".

Anleger feierten die Vermählung dennoch: Die Aktien des französischen Autobauers stiegen in Paris bei überdurchschnittlichen Umsätzen zeitweise um mehr als fünf Prozent und waren mit 20,06 Euro so teuer wie zuletzt vor fünfeinhalb Jahren. Die Papiere von GM hatten in der vergangenen Woche in Vorfreude auf den sich abzeichnenden Deal bereits überdurchschnittlich zugelegt. General Motors zieht sich mit dem Verkauf von Opel aus dem verlustreichen Europa-Geschäft zurück und kappt damit nach 88 Jahren die Verbindung weitgehend.

Was kommt nach 2018?

"Wir sind zuversichtlich, dass der Turnaround von Opel/Vauxhall mit unserer Unterstützung deutlich beschleunigt wird", sagte PSA-Chef Tavares. "Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist." Die Garantien beziehen sich allerdings nur auf die schon von General Motors ausgesprochenen Zusagen und Vereinbarungen. Die mehr als 19.000 Opelaner in Deutschland sind noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Für die Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach hat GM zudem bis 2020 Investitionen und Produktion tarifvertraglich zugesagt. Europaweit arbeiten bei der GM-Tochter mehr als 38.000 Menschen.

Opel hatte im vergangenen Jahr sein Ziel verfehlt, erstmals seit 17 in die Gewinnzone zurückzukehren. Als Grund nannte das Unternehmen Währungsturbulenzen nach dem Beschluss der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union. Dennoch sieht Peugeot die britischen Werke von Vauxhall als Vorteil der Allianz. Angesichts des bevorstehenden Austritts Grossbritanniens aus der EU biete sich die Gelegenheit, im Vereinigten Königreich Fabriken zu haben, "falls es einen harten Brexit gibt", sagte der PSA-Vorstandsvorsitzende zu Analysten und Investoren.

Die Bundesregierung und die drei Bundesländer mit Opel-Standorten begrüssten die Unterzeichnung der Verträge als ersten Schritt, "um in Europa einen europäischen Global Player ... auf den Weg zu bringen". In einer Erklärung hiess es, es sei gut, dass es Zusagen von PSA gebe, die bestehenden Verträge über Standorte, Beschäftigung und Investitionen zu erhalten und Opel sowie die britische Schwester Vauxhall als eigenständige Marke fortzuführen. Es müsse aber gewährleistet werden, dass im weiteren Verlauf das europäische Opel/Vauxhall-Management sowie die Vertretungen der Arbeitnehmer in vollem Umfang in die anstehenden Gespräche einbezogen würden.

Mitarbeiter fordern Zukunftsplan

Der Betriebsrat forderte einen Zukunftsplan, um die Eigenständigkeit der Marken Opel und Vauxhall zu sichern. Die bestehenden Tarifverträge sicherten die Standorte und Arbeitsplätze nur für eine Übergangsphase, erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug. Er pocht zudem darauf, dass die Mitbestimmung auch nach dem Verkauf erhalten bleibe.

Peugeot erwartet von dem Zusammenschluss mit Opel Kostenvorteile von 1,7 Milliarden Euro im Jahr, vor allem durch die Zusammenlegung von Einkauf, Fertigung und Forschung und Entwicklung. Ein wesentlicher Teil davon soll bis 2020 realisiert und Opel die Rückkehr in die Gewinne ermöglichen. Peugeot stellte für Opel und Vauxhall eine anfängliche operative Rendite von zwei Prozent in Aussicht, die bis 2026 auf sechs Prozent klettern soll. Tavares hat mit Peugeot vorgemacht, dass er ein Unternehmen binnen weniger Jahre in die Gewinne führen kann. Ihm trauen Analysten zu, dies auch bei Opel zu schaffen. Zusammen mit Opel zieht Peugeot in Europa am französischen Rivalen Renault vorbei und rückt auf Platz zwei hinter Volkswagen auf.

Opel wird auch weiterhin die Patente von GM nutzen können, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden. Die europäischen und britischen Pensionspläne von Opel/Vauxhall verbleiben grösstenteils bei GM, lediglich die deutschen Pensionslasten ("German Actives Plan") werden an PSA übertragen. Für die vollständige Begleichung übertragener Pensionsverpflichtungen zahlt GM drei Milliarden Euro an die Franzosen. Hinzu kommen noch vier bis 4,5 Milliarden Dollar an Investitionen, die General Motors in den Wind schreiben muss.

Insgesamt überwiegen jedoch die Vorteile für den Detroiter Konzern, der sich nun von einer Last befreien kann, um stärker in Zukunftsbereiche wie Elektromobilität und Mobilitätsdienste zu investieren. Dabei werden die Amerikaner am erhofften Erfolg von Peugeot-Opel durch Optionsscheine für den Erwerb von PSA-Aktien beteiligt, was die Trennung noch etwas versüssen dürfte.

(Reuters)