Ein Enzym aus einem Leuchtpilz hilft bei der Wirkstoffentwicklung

Forschende der ETH Zürich haben ein Enzym in einem fluoreszierenden Pilz entdeckt, das bei der Entwicklung und Verbesserung von Wirkstoffen helfen könnte. Eigentlich nutzt der Pilz es zur Abwehr von Schädlingen.
24.07.2017 12:29

Pilze sind wahre Fundgruben für interessante Wirkstoffe. Das gilt auch für den Dunklen Ölbaumtrichterling (Omphalotus alearius), der im Mittelmeerraum häufig vorkommt und nachts fluoresziert. In diesem Pilz haben Forschende um Markus Künzler von der ETH Zürich ein Enzym entdeckt, das den Werkzeugkasten der Arzneimittelentwicklung entscheidend erweitern könnte.

Das Enzym namens OphA dient dem Pilz eigentlich zur Abwehr, wie die ETH am Montag mitteilte: Es verändert ein Vorläuferprotein so, dass es zum Gift für Fadenwürmer oder anderen Schädlinge wird, die dem Pilz zu Leibe rücken. Genauer gesagt hängt es an dieses Proteinstück (Peptid) sogenannte Metyhlgruppen an und schliesst es zum Ring.

Diese Art der Modifikation ist auch für die Arzneimittelentwicklung sehr interessant, um Wirkstoffen günstige pharmakologische Eigenschaften zu verleihen. OphA könnte somit zum nützlichen Werkzeug werden, denn es scheine in der Auswahl der Peptide, die es verändert, nicht sehr wählerisch zu sein, schrieb die ETH. Die Erkenntnisse über OphA haben die Forschenden kürzlich im Fachblatt "Nature Chemical Biology" vorgestellt.

"Indem wir biotechnologisch unterschiedliche Ausgangspeptide herstellen und diese von OphA verändern lassen, können wir theoretisch völlig neue Peptide mit pharmakologisch interessanten Eigenschaften produzieren", liess sich Künzler in der Mitteilung zitieren.

So liessen sich ganze Bibliotheken unterschiedlicher ringförmiger Peptide mit Methylgruppen erstellen, die anschliessend nach Wirkstoffen mit den gesuchten Eigenschaften durchforstet werden können. Zum Beispiel um neue Substanzen für die Krebstherapie zu finden und weiter zu entwickeln.

Das Verfahren, mit dem Enzym Methylgruppen an Wirkstoff-Peptide zu hängen, haben die Wissenschaftler zum Patent angemeldet. Sie müssen jedoch noch den Machbarkeitsnachweis erbringen, schrieb die ETH. Es gebe jedoch bereits Interessenten für eine Lizenz, so Künzler.

(SDA)