Ein High-Tech-Wettkampf zum selbst Probieren

Einen spannenden "Wettkampf der technischen Hilfsmittel" haben sich die Teams am Cybathlon geliefert. Im Rahmenprogramm konnten die rund 4600 Besucherinnen und Besucher einen eigenen Cybathlon absolvieren und Roboterhände und Gedankensteuerung selbst testen.
08.10.2016 19:33

Mit Beifall und Sprechchören spornte das Publikum - darunter rund 120 Personen im Rollstuhl, wie die ETH Zürich mitteilte - die Pilotinnen und Piloten auf den Rennstrecken und Parcours in der Swiss Arena Kloten an. Im Wettkampf schnitten die technischen Hilfsmittel wie Prothesen, Rollstühle und Exoskelette sehr unterschiedlich ab.

Einige Modelle kamen nicht vom Fleck, andere versetzten die Zuschauer in blankes Erstaunen. Beispielsweise als Lucia Kurs vom deutschen Team C-Brace mit einem Exoskelett der deutschen Firma Otto Bock Healthcare Products forschen Schrittes innerhalb rund einer Minute den Parcours durchquerte, den die meisten anderen Exoskelett-Piloten in den vorgegebenen zehn Minuten gar nicht schafften.

Anders als die anderen Teilnehmer brauchte Kurs nicht einmal Krücken, um das Gleichgewicht zu halten. Allerdings startete sie ausser Konkurrenz. Beim medizinischen Check, der sicherstellen sollte, dass alle Piloten das gleiche Handicap und somit die gleichen Chancen haben, wurde sie disqualifiziert. Weil sie einen unfairen Vorteil hatte, nahm sie nur an der Vorrunde und nicht am Finale teil. Lauten Jubel vom Publikum gab es trotzdem.

Meist blieben die ausverkauften Ränge der Arena aber halb leer. Grund dafür waren vermutlich die zahlreichen Angebote des Rahmenprogramms. So konnten die Zuschauer ihren eigenen Cybathlon absolvieren, indem sie an verschiedenen Stationen die Technik selbst ausprobierten.

Beim virtuellen Rennen mit Gedankensteuerung bildete sich laufend eine lange Schlange Interessierter. Dabei traten die Besucher mit einer deutlich einfacheren Technik gegeneinander an als die im Wettkampf verwendeten. Headsets mit nur einer Elektrode an der Stirn messen dabei lediglich, ob das Gehirn aktiv ist oder nicht - keine speziellen Aktivitätsmuster als Befehl für Springen oder Rutschen.

Trotzdem erwies sich das Steuern per Gedanken als gar nicht so einfach: Auf manchen Abschnitten des virtuellen Rennens kamen die Besucher mit ihren virtuellen Figuren nur voran, wenn sie sich sehr konzentrierten, auf anderen Abschnitten mussten sie an nichts denken.

Nicht nur das Fortschreiten der Technik wurde am Cybathlon deutlich. "Es war ein bedeutender und wichtiger Schritt hin zu einer Sensibilisierung für Jedermann", sagte René Will, Geschäftsführer des Schweizer Dachverbands für Behindertensport PluSport, der das Rahmenprogramm als Sponsor unterstützte. Die Hürden des Alltags für Menschen mit Behinderungen standen im Mittelpunkt. "The Cybathlon must go on", sagte Will an einem Medienanlass in Kloten.

Das wird er wohl auch: In voraussichtlich vier Jahren will Robert Riener, ETH-Professor und geistiger Vater des Cybathlon, einen weiteren grossen Wettkampf veranstalten, mit noch mehr Disziplinen und Hilfsmitteln auch für Menschen mit sensorischen Einschränkungen und Ältere. Ausserdem soll eine Art Roadshow entstehen, mit Aktionen an Schulen.

Wie genau die Zukunft der Cybathlon-Idee aussehen soll, steht zwar noch nicht fest. Eines hingegen schon: "Der Cybathlon und ETH Zürich gehören zusammen und werden zusammen bleiben", sagte ETH-Präsident Lino Guzella.

(SDA)