Europäische Zentralbank bleibt auf Kurs

Die ultralockere Geldpolitik der EZB ist umstritten. Doch vorerst hält die Notenbank an ihr fest: Die Geldschleusen bleiben weit geöffnet.
20.10.2016 15:50

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihren billionenschweren Anleihenkäufen fest. Über ein graduelles Herunterfahren der Transaktionen sei nicht gesprochen worden, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Die monatlichen Wertpapierkäufe von 80 Milliarden Euro würden bis Ende März 2017 oder nötigenfalls darüber hinaus fortgesetzt.

An der aktuellen Geldpolitik könne aber nicht ewig festgehalten werden, gab Draghi zu bedenken - womöglich ein erster Hinweis auf bevorstehende Veränderungen an der extrem lockeren Linie.

Draghi lenkte den Blick auf die Dezember-Zinssitzung der Notenbank. Die EZB werde dann mitteilen, was sie in den kommenden Monaten unternehmen werde. Die Währungshüter könnten bei der Dezembersitzung das Programm über März 2017 hinaus verlängern und die selbstgesetzten Bedingungen zum Erwerb der Anleihen lockern, weil einige Papiere allmählich knapp werden. Im Dezember legt die Notenbank auch aktuelle Konjunktur- und Inflationsprognosen vor.

Mit dem im März 2015 gestarteten und inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegten Programm will Draghi die schleppende Konjunktur im Währungsraum anschieben und die anhaltend niedrige Inflation nach oben treiben. Durch die Käufe sollen die Renditen der Anleihen sinken und Banken dazu bewegt werden, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen und nicht so stark in Anleihen zu investieren.

Zwar stieg die Inflation im gemeinsamen Währungsraum im September auf den höchsten Stand seit Oktober 2014. Die Rate ist mit 0,4 Prozent aber weit entfernt von dem Preisziel der EZB von knapp zwei Prozent.

An den Leitzinsen rüttelte die EZB erwartungsgemäss nicht. Die Währungshüter beliessen den Leitzins im Euroraum, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der Notenbank, müssen sie weiter 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Die ultralockere Geldpolitik der EZB ist vor allem in Deutschland umstritten. Sie belastet Sparer. Kritiker befürchten zudem eine sinkende Reformbereitschaft der Politik.

(SDA)