Ex-Swissair-Tochter SR Technics geht in chinesische Hand

Die Schweizer Flugzeugwartungsfirma SR Technics geht in chinesische Hand. Käufer ist der Mischkonzern HNA. Nach Swissport und Gategroup übernehmen die Chinesen damit bereits die dritte ehemalige Swissair-Tochter.
15.07.2016 11:57

Gemäss einer Mitteilung von SR Technics am Freitag wird HNA Aviation künftig 80 Prozent des Aktienkapitals besitzen. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Die Mubadala Development Company behält einen Anteil von noch 20 Prozent und hat weiterhin Einsitz im Verwaltungsrat. Der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate war seit 2006 alleiniger Besitzer von SR Technics.

Das Unternehmen hat seinen Sitz am Zürcher Flughafen und zählt weltweit rund 500 Fluggesellschaften zu seinen Kunden. Grössere Niederlassungen hat SR Technics auch in Grossbritannien, Irland und Malta.

Der Wartungsanbieter für Flugzeuge soll als eigenständiges Geschäft innerhalb des Luftfahrt-Portfolios von HNA geführt werden. Laut Jeremy Remacha, CEO ad interim von SR Technics, passt der neue Hauptaktionär zur Wachstumsstrategie des Unternehmens. SR Technics will vor allem in Asien und in der Pazifikregion expandieren. Hierzu werde das Netzwerk von HNA hilfreich sein, wird Remacha zitiert.

Auch aus Sicht von HNA erscheint die Übernahme strategisch sinnvoll, setzen die Chinesen in jüngster Zeit doch verstärkt auf das Zulieferungsgeschäft für Fluggesellschaften.

Vor kurzem erst hat HNA für 1,4 Milliarden Franken die Mehrheit an der Schweizer Bordverpflegungsfirma Gategroup übernommen. Auch am Cateringgeschäft von Air France-KLM ist das Konglomerat mit einem Jahresumsatz von 25 Milliarden Dollar und 180'000 Mitarbeitenden interessiert. Entsprechende Verhandlungen sind im Gang. Im vergangenen Jahr kaufte HNA zudem den Flugzeug- und Flughafendienstleiter Swissport für 2,7 Milliarden Franken.

Auf der Suche nach neuen Wachstumsmöglichkeiten setzten chinesische Firmen schon seit geraumer Zeit auf Firmen in Europa und der Schweiz. Wie aus einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht, gingen von Januar bis Ende Juni insgesamt 164 europäische Unternehmen in die Hände chinesischer Investoren über.

Der mit Abstand grösste Deal findet derzeit in der Schweiz statt. Für die noch nicht abgeschlossene Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta will der chinesische Staatskonzern ChemChina umgerechnet 44,2 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

Bereits im vergangenen Jahr investierten Investoren aus dem Reich der Mitte in 183 Unternehmen in Europa, davon 6 in der Schweiz. Insgesamt machten die Akquisitionen chinesischer Firmen im Ausland 100 Milliarden Dollar aus. Das war so viel wie nie zuvor. Der China-Thinktank Merics geht davon aus, dass sich dieser Betrag in den kommenden fünf Jahren verdoppeln könnte.

Mit dem verlangsamten Wachstum auf dem Heimatmarkt sehen sich laut EY die chinesischen Unternehmen gezwungen, neue Geschäftsfelder aufzubauen und sich von der Massenproduktion in Richtung Spezialisierung und Hochtechnologie zu bewegen. Der kürzeste Weg dahin besteht in Akquisitionen ausländischer Marktführer. Diese Strategie wird von der kommunistischen Führung explizit gefördert.

Anders als vielfach befürchtet sei das Engagement der Chinesen aber keine Einbahnstrasse und nicht ausschliesslich zum Vorteil des Käufers, betont EY. Die meisten chinesischen Investoren verfolgten einen langfristigen und strategischen Ansatz, bei dem sowohl Käufer wie auch das übernommene Unternehmen profitieren können.

Ein Abfluss von Know-how sei oftmals unwahrscheinlich, da Standortverlagerungen für die hiesigen Produkte und Dienstleistungen meist schwierig umzusetzen seien aufgrund der komplexen Produktions-, Logistik-, Management-, und IT-Prozesse. Zusätzlich brauche man hochqualifizierte Mitarbeitende, die in der Anzahl in China momentan nicht vorhanden seien.

(SDA)