Experten: Chilenischer Nobelpreisträger Neruda starb nicht an Krebs

Der chilenische Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda (1904-1973) ist laut einem internationalen Team von Wissenschaftlern entgegen offizieller Angaben nicht an Krebs gestorben. Dies heizt Spekulationen über einen gewaltsamen Tod wieder an.
21.10.2017 03:02

Die Forscher erklärten am Freitag (Ortszeit) in Santiago, ebenso wenig sei Mangelernährung die Ursache gewesen. Sie bemühen sich darum, krankheitserregende Bakterien zu identifizieren, die den Tod des Dichters im Jahr 1973 herbeigeführt haben könnten.

Der politisch links stehende Neruda starb im Chaos nach dem Militärputsch im Land, angeblich an einem Krebsleiden. Zum Zeitpunkt seines Todes war Neruda 69 Jahre alt. Er litt an Prostatakrebs. Er war ein Freund des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, der sich selbst tötete, statt sich den Militärtruppen Pinochets zu ergeben.

Die forensischen Experten schlossen nun mögliche Ursachen für den Tod des Schriftstellers aus. Was konkret zum Ableben des Nobelpreisträgers geführt haben könnte - und ob vielleicht Mitarbeiter des Diktators Augusto Pinochet verantwortlich waren - sagten sie aber nicht.

Die Untersuchung der Krankheitserreger gehe zunächst weiter, hiess es. "Wir können noch immer nicht ausschliessen oder bestätigen, dass Pablo Neruda an einem natürlichen oder gewaltvollen Tod starb", sagte Forscher Aurelio Luna.

Nach der Machtübernahme des Generals war Neruda, vor allem für seine Liebesgedichte bekannt, traumatisiert und plante, ins Exil zu gehen. Einen Tag vor seiner Abreise wurde er in ein Spital gebracht und starb am 23. September 1973 nach offiziellen Angaben an natürlichen Ursachen.

2013 wurde Nerudas Leichnam exhumiert, Tests zeigten keinen Nachweis von Gift in seinen Knochen. Vor zwei Jahren erklärte die chilenische Regierung jedoch, es sei höchstwahrscheinlich, dass "eine dritte Partei" für den Tod des Künstlers verantwortlich sei. Er wurde im vergangenen Jahr erneut beigesetzt.

(SDA)