Trotz höherer Inflation - EZB-Direktorin warnt vor zu frühem Zinsanstieg

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hat trotz erster Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation vor einer übereilten Abkehr von der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewarnt.
19.02.2017 08:01
Hauptsitz der EZB in Frankfurt.
Hauptsitz der EZB in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Entscheidend sei, dass die jüngsten Inflationsraten nicht nur ein kurzer, vorübergehender Ausreisser nach oben gewesen seien, sagte Lautenschläger am Sonntag im Deutschlandfunk. "Also lassen Sie uns doch einige wenige Monate abwarten und dann können wir auch sicher sein", sagte sie.

Im Dezember habe die Inflation im Euro-Raum bei 1,1 Prozent gelegen und im Januar werde sie auf 1,8 Prozent geschätzt, sagte Lautenschläger. Darüber freue sie sich. Sie fügte aber hinzu, für Januar wisse man es noch nicht genau, aber im Dezember sei die Inflation vor allem durch die Energiepreise bedingt gewesen sowie durch die Pauschalreisen der Deutschen. Das geschehe aber leider nicht jeden Monat: "Es ist wirklich wichtig, dass es einen Trend gibt, dass das sichergestellt ist, dass die Inflation auch wirklich zurückgekehrt ist."

Lautenschläger sagte, sie wolle "schnellstmöglich zu einer Normalisierung der sehr expansiven Geldpolitik zurückkommen". Ein zu frühere Zinsanstieg wäre aber kontraproduktiv und könnte dazu führen, dass die EZB mit noch stärkeren Massnahmen reagieren müsste: "Also, es geht wirklich darum, so schnell wie möglich auszusteigen, aber – es geht auch darum, nicht der Gefahr zu unterliegen, zu früh auszusteigen, nachdem man einmal für einen Monat einen kurzfristigen – womöglich vorübergehenden – Ausreisser gesehen hat." Sie werde kein Datum für eine Zinswende nennen: "Würde sich die Inflationsrate, so wie wir sie im Januar gesehen haben, fortsetzen, dann würde ich (aber) nicht bis nächstes Jahr warten wollen."

Zum Anleihenkaufprogramm der EZB sagte Lautenschläger, sie trete für einen sehr frühen Austritt ein, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt seien. Und das beziehe sich natürlich vor allem auf das Staatsanleihenkaufprogramm. Sie sei optimistisch, "dass wir das ein bisschen früher als in fünf oder zehn Jahren sehen."

Das Anleihenkaufprogramm laufe so oder so im nächsten Jahr aus, wenn es nicht verlängert werde, falls die optimistischen Erwartungen der EZB doch nicht zum Tragen kämen und die Inflationsrate wieder falle: "Also, so gesehen, hat es derzeit tatsächlich auch eine gewisse Art von Endzeitpunkt. Ja."

(Reuters)