Fährschiffer am Lago Maggiore wollen weiter streiken

Die 34 per Ende Jahr entlassenen Schweizer Angestellten der Fährschifffahrtsgesellschaft NLM am Lago Maggiore werden auch am Mittwoch die Arbeit niederlegen. Ein Treffen mit dem Tessiner Staatsrat brachte keine Lösung.
27.06.2017 18:52

Alle Fährverbindungen im Schweizer Becken des Sees fallen damit seit Sonntag aus. Die freigestellten Mitarbeiter einigten sich am Dienstag in Locarno bei einem Treffen darauf, den Arbeitskampf auch am Folgetag fortzusetzen. Unterstützung kam auch von den Schifffahrtsgesellschaften des Genfersees und des Neuenburgersees, die jeweils mit Vertretern ins Tessin gereist waren.

Die Beschäftigten und die Gewerkschaften forderten am Dienstag erneut eine Beschäftigungsgarantie und gleichbleibende Löhne. Laut dem Sekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV Angelo Stroppini hätten die Angestellten am Dienstag auch die offiziellen Kündigungsschreiben per 31. Dezember 2017 erhalten.

Von den bereits Mitte Juni angekündigten Entlassungen sind 14 Festangestellte sowie zwanzig Saisonkräfte betroffen. Die Folgen der Arbeitsniederlegung sind unmittelbar spürbar: Die Brissago-Inseln beispielsweise sind nicht mehr erreichbar. Die Tessiner Tageszeitung "La Regione" berichtete in ihrer Ausgabe vom Dienstag, dass sich die täglichen Verluste für die Betreiber dort auf 3000 bis 5000 Franken beliefen. Der Juli und August gelten im Tessin generell als die besucherstärksten Monate.

Die Gewerkschaftsvertreter bezeichneten das am Vorabend anberaumte Gespräch mit der Tessiner Kantonsregierung am Dienstag als "enttäuschend". Bis Ende Juli solle es genauere Informationen darüber geben, wie das geplante "Konsortium" zwischen der NLM (Lago Maggiore) und der SNL (Lago di Lugano) funktionieren solle. So lange wollen die Gewerkschaften von SEV, Unia und OCST aber nicht warten: Bereits für Samstag wurde eine grosse Demonstration in Locarno angekündigt.

Die Kantonsregierung könnte sich zwar als Vermittlerin für die Arbeitsplatzsicherung im Tessin stark machen, doch an sich beruht die Fährschifffahrt auf dem Lago Maggiore und Lago di Lugano auf einer zwischenstaatlichen Konzession, welche Italien und die Schweiz abgeschlossen haben.

Der Grund für die Stellenkürzungen liegt auf italienischer Seite: Ende Dezember 2016 hatten die Schweiz und Italien die Konzessionen für die beiden Schifffahrtsunternehmen auf dem Lago Maggiore und Lago di Lugano für die nächsten zehn Jahre erneuert. In diesem Zusammenhang wurde zwar garantiert, dass beim bisherigen Fahrplanangebot und Personal keine Änderungen vorgenommen werden - aber eben nur bis Ende Dezember 2017.

Die NLM (Lago Maggiore) hat nun nach eigener Aussage zusammen mit der SNL (Lago di Lugano) ein Konsortium gegründet, welches ab der kommenden Frühjahrssaison den Betrieb organisieren soll. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hatte auf Nachfrage mitgeteilt, dass sich für die entlassenen Angestellten so eine neue "Perspektive" bieten könnte.

Die Gewerkschafter verurteilten am Dienstag scharf, dass zu Lasten der Tessiner Angestellten gespart werde und so der Service public auf dem See nicht mehr garantiert werden könne. An die Adresse Italiens hiess es: Zwar würden dort gerade die Banken mit Milliarden gerettet, doch für die Schweizer Beschäftigten am Lago Maggiore sei kein Geld mehr vorhanden.

(SDA)