Fast 50 Millionen Kinder wachsen in der Fremde auf

Weltweit wachsen heute fast 50 Millionen Kinder in der Fremde auf - mehr als die Hälfte von ihnen sind auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. Das ist das Ergebnis des ersten globalen Berichts zu Flucht und Migration von Kindern, den UNICEF am Mittwoch veröffentlichte.
07.09.2016 02:03

In die Zahl eingerechnet sind schätzungsweise 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben wurden. Jeder zweite Flüchtling oder Vertriebene auf der Welt ist minderjährig, der Anteil von Kindern und Jugendlichen ist damit überproportional hoch.

Das UNO-Kinderhilfswerk veröffentlichte seinen Bericht im Vorfeld der Gipfeltreffen zu weltweiten Flucht- und Migrationsbewegungen am 19. und 20. September in New York hat. UNICEF fordert, die betroffenen Kinder, insbesondere solche ohne Begleitung, besser vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen und entschieden gegen Menschenhandel vorzugehen.

Ausserdem müsse die Inhaftierung von Kindern beendet werden. Kinder müssten davor bewahrt werden, bei Grenzkontrollen oder während des Verfahrens zur Bestimmung ihres Aufenthaltsstatus von ihren Eltern getrennt zu werden. Zur Zusammenführung der Kinder mit ihren Familien müssten "alle möglichen Massnahmen ergriffen" werden.

UNICEF appelliert an die Regierungen und die Zivilgesellschaft, Kindern ihr Recht auf Bildung und umfassende Gesundheitsversorgung, Lebensmittel und Wasser sowie psychosoziale und rechtliche Betreuung zu gewähren. Ausserdem müssten die Ursachen für Konflikte und extreme Armut bekämpft werden. Notwendig seien ferner Massnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Unter Verweis auf Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) heisst es in dem Bericht mit dem Titel "Entwurzelt", zwischen 2014 und Juli 2016 seien 15'000 Flüchtlinge und Migranten gestorben oder als vermisst registriert worden.

Rund zwei Drittel aller registrierten Todesfälle von Migranten ereigneten sich demnach im Mittelmeer. Schätzungen zufolge seien ein Drittel der in der Ägäis umgekommenen Menschen Kinder, heisst es in dem Bericht.

In der ersten Jahreshälfte 2016 kamen in Europa fast 70 Prozent der Kinder, die einen Asylantrag stellten, aus den Konfliktländern Syrien, Afghanistan und Irak. Die mit Abstand meisten geflüchteten Kinder und ihre Familien suchen in ihrer jeweiligen Heimatregion Schutz, wie der UNICEF-Bericht hervorhebt.

Die zehn Länder, welche die meisten Flüchtlinge aufnahmen, liegen in Asien und Afrika. Die Türkei ist laut UNICEF wahrscheinlich das Land mit der weltweit grössten Population von Flüchtlingskindern.

(SDA)