Bankaktien bremsen Erholung der Schweizer Börse

Die Schweizer Börse am Mittwoch knapp fester tendiert. Die grössten Einbussen verzeichneten die Aktien der Banken.
18.01.2017 17:46
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse: Die Aktien der Bank stehen am Mittwoch am SMI-Tabellenende.
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse: Die Aktien der Bank stehen am Mittwoch am SMI-Tabellenende.
Bild: cash

Die Angst vor möglichen neuen Bussenzahlungen in den USA trübten die Stimmung, sagten Händler. "Der Finanzsektor ist auch gut gelaufen, da sollte man schon auch einmal Gewinne einfahren", sagte ein Händler.

Der SMI konnte sich zum Schluss um 0,1 Prozent auf 8312 Punkte ins Plus retten. Am Dienstag hatte der Leitindex 0,7 Prozent verloren.

Die Anleger wollten sich vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump und der Veröffentlichung des Konjunkturberichts der US-Notenbank am Abend nicht unnötig Risiken aussetzen. Das Beige Book dürfte Aufschluss über das Tempo der geplanten Zinserhöhungen geben. Die Fed hat für 2017 drei Schritte signalisiert. Nach den jüngsten Inflationszahlen seien drei Zinsschritte nicht nur realistisch, sondern schlichtweg auch notwendig", sagte Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. In der weltgrössten Volkswirtschaft stiegen die Preise im Dezember um 2,1 Prozent, so stark wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Credit Suisse schmiert ab

Die Aktien der Grossbank Credit Suisse büssten zeitweise über vier Prozent ein und waren zuletzt noch 2,5 Prozent im Minus. Rivale UBS verlor 2,1 Prozent an Wert. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen nach der jüngsten positiven Kursentwicklung. Börsianer befürchteten, dass auf Geldhäuser in den USA voraussichtlich Privatklagen wegen der Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor zukommen könnten. Das oberste Gericht der USA, der Supreme Court, wies am Dienstag eine Beschwerde von Grossbanken gegen die Zulassung der Klagen ab. Zudem gab ein Berufungsgericht grünes Licht für die Wiederaufnahme eines Rechtsstreits zwischen fünf Banken - darunter CS und UBS - und der Einlagensicherung FDIC.

"Die unendliche Geschichte wird damit wohl um ein Kapitel reicher", sagte ein Händler. Auch der Vergleich der Deutschen Bank mit den US-Behörden über unsaubere Geschäfte auf dem US-Immobilienmarkt in der Höhe von 7,2 Milliarden Dollar drücke auf den Sektor. "Das steht bei der CS noch aus."

Gute Ergebnisse der US-Rivalen Goldman Sachs und Citigroup gaben den Bankaktien keine Unterstützung.

Die Aktien des Vermögensverwalter Julius Bär verloren 1,2 Prozent. Vontobel notierten unverändert. Die Versicherer gaben ebenfalls nach. Die Kurseinbussen waren aber deutlich geringer als bei den Banken.

Stützen des Marktes waren die Aktien der als wenig konjunkturabhängig geltenden Schwergewichte: Der Nahrungsmitteltitel Nestle legte um 0,6 Prozent zu und Novartis rückten um 1,2 Prozent vor. Der Genussschein von Rivale Roche kletterten 0,4 Prozent. Novartis sei nicht in Eile, die milliardenschwere Beteilung an Roche zu verkaufen. Verkauft würde nur bei einem guten Marktpreis, sagte Konzernchef Joe Jimenez in einem Interview mit Reuters in Davos. Weiter sagte er, die Verkäufe mit dem potentiellen Blockbuster Entresto hätten "schön angezogen".

Die Anteile zahlreicher zyklischer Firmen zeigten sich uneinheitlich. Die Aktien des Personalvermittlers Adecco wurden zu tieferen Kursen gehandelt, währen die des Elektrotechnikkonzerns ABB zulegen konnten.  ABB-Chef Ulrich Spiesshofer sieht 2017 als Übergangsjahr. Er sagte am Rande des Wirtschaftsgipfels in Davos, die Stimmung im Markt sei gedämpft. Einige Kunden würden Projekte wegen der Verunsicherung durch den Brexit verschieben.

SGS sanken um 0,1 Prozent. Der Prüfkonzern legt am Montag sein Jahresergebnis vor.

LafargeHolcim sackten um 1,8 Prozent ab. Exane BNP Paribas hat die Papiere des Zementherstellers auf "Neutral" von "Outperform" zurückgestuft.

Die Titel von Richemont büssten 0,5 Prozent ein und Rivale Swatch waren ebenfalls um 0,5 Prozent leichter. Gemäss Aussagen von Industrievertretern auf der Uhren- und Schmuckmesse SIHH in Genf sieht die Branche einen Silberstreifen am Horizont. Nach fast zwei Jahren sinkender Exportzahlen werde 2017 zumindest eine Stabilisierung der Umsätze erwartet.

Am breiten Markt fielen die Aktien von Panalpina mit einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 123 Franken auf. Kepler Cheuvreux hat die Analyse mit dem Rating "Buy" und Kursziel 145 Franken gestartet. Die Aktien von Emmi sanken um 0,2 Prozent. Der Milchverarbeiter übernimmt den italienischen Desserthersteller Italian Fresh Food mit einem Umsatz von rund 20 Millionen Euro.

Die Anteile von Arbonia stiegen 5,5 Prozent. Der Bauausstatter macht am Donnerstag Angaben zum Umsatz 2016. 

(Reuters)