Schweizer Börse - Banken bringen SMI nach EZB auf Erholungskurs

Die Schweizer Börse hat sich am Donnerstag im Anschluss an die Veröffentlichung der Zinsbeschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) erholt.
09.03.2017 17:30
Die EZB bringt Sonnenschein in die Schweizer Börse.
Die EZB bringt Sonnenschein in die Schweizer Börse.
Bild: cash

Angeführt wurde die Aufwärtsbewegung von den Aktien der Banken. Aber auch Versicherungen legten zu. Der SMI stieg um knapp 0,2 Prozent auf 8640 Punkte. Am Vortag hatte der Leitindex nahezu unverändert geschlossen.

Die EZB will nicht von der ultra-lockeren Geldpolitik abrücken und tastet daher die Zinsen nicht an. EZB-Chef Mario Draghi habe aber trotzdem verbal den Fuss vom Gas genommen. Er sagte, er sehe vorerst keinen Bedarf, die Niedrigzinspolitik zu verschärfen. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung habe sich verringert. Dass die EZB zudem nicht über weitere supergünstige Langfristkredite für Banken (TLTRO) diskutiert habe, werteten die Marktteilnehmer positiv für die Banken. Das sei Ausdruck einer Klima-Aufhellung, hiess es. Zudem verbesserten steigenden Bond-Renditen die Geschäftsaussichten.

Finanztitel gesucht

Das gab Finanztiteln Auftrieb: Der europäische Sektorindex stieg um 1,5 Prozent. Die Aktien der Grossbank UBS rückten um 1,4 Prozent vor und Julius Bär waren um 0,8 Prozent höher.

Credit Suisse gewannen 0,1 Prozent. Dass die CS-Aktie dem Sektor hinterherhinke, liege unter anderem an einem Broker-Report, hiess es am Markt. Bernstein rechnet mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung. Die Nummer zwei der Schweiz dürfte 2017 fünf Milliarden Franken frisches Aktienkapital aufnehmen, hiess es in einer Bernstein-Studie.

Die Aktien der Versicherungen drehten ebenfalls mehrheitlich in die Gewinnzone. Swiss Re, Baloise und Swiss Life waren rund ein halbes Prozent höher.

Angezogene Handbremse

Die Erholung verlief laut Händlern insgesamt aber mit angezogener Handbremse. "Nach der EZB bedeutet vor der Fed", sagte ein Händler. Nun rückten die US-Arbeitsmarktdaten in den Fokus der Anleger. "Und danach werden die Marktteilnehmer auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed von kommender Woche warten." Die Meinungen zur Fed sind allerdings weitgehend gemacht. Reuters-Daten zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte rund 90 Prozent.

Bei den Index-Schwergewichten ergab sich kein klarer Trend. Nestle legten 0,3 Prozent zu. Roche büssten 0,4 Prozent ein und die Novartis-Aktien machten frühe Einbussen mehr als wett und waren 0,5 Prozent fester.

Zu den Kursgewinnern zählten auch die Übernahmeziele Actelion und Syngenta. Die Titel des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan holten mit 0,7 Prozent Plus einen Teil der Einbussen am Vortag auf. Dagegen büssten die Anteile der Luxusgüterfirmen Richemont und Swatch und des Elektrotechnikkonzerns ABB die Vortagesgewinne zum Teil wieder ein.

"Die Musik spielte aber am lautesten am breiten Markt", sagte ein Händler. Mehrere kleine und mittelgrosse Firmen legten ihre Bilanzen offen. Die Aktien von Schmolz+Bickenbach schlossen unverändert. Der Stahlproduzent hat den Verlust im vergangenen Jahr auf 80 Millionen Euro mehr als halbiert. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit stabilen Absatzmengen und einem bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) von 160 bis 200 Millionen Euro nach 153 Millionen Euro im Vorjahr. Der Verlust sei deutlich höher als erwartet, erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank.

Um 0,3 Prozent schwächer waren die Ascom-Aktien. Der Telekomausrüster ist 2016 wegen Verlusten aus der Veräusserung des Test-Geschäfts tief in die roten Zahlen gerutscht.

Die Cicor-Anteile verloren 1,6 Prozent. Der Leiterplattenhersteller ist 2016 mit 0,3 Millionen Franken Gewinn in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Eine Dividende will die Firma nicht zahlen. Bei Dormakaba hielten die Gewinnmitnahmen an. Der Aktienkurs sank um 1,3 Prozent. Die Schliesstechnikfirma steigerte den Gewinn weniger stark als erhofft. "Das reichte nicht um einen nahe am Rekordhoch liegenden Aktienkurs zu rechtfertigen", sagte ein Händler.

Die Ankündigung des Rückkaufs von maximal zehn Prozent der eigenen Aktien schob die Titel der Immobilienfirma BFW 7,1 Prozent hoch.

(Reuters)