Aktien Schweiz - Gewinnmitnahmen belasten die Schweizer Börse zum Wochenende

An der Schweizer Börse haben die Kurse am Freitag auf breiter Front nachgegeben. Vor dem Wochenende scheuten die Anleger Risiken und strichen Gewinne ein, sagen Händler.
24.02.2017 17:40
Standen am Freitag im Fokus der Anleger an der Schweizer Börse: die Aktien der florierenden Bauchemiefirma Sika.
Standen am Freitag im Fokus der Anleger an der Schweizer Börse: die Aktien der florierenden Bauchemiefirma Sika.
Bild: ZVG

Unter Druck standen vor allem Finanzwerte und Anteile von Industrie- und Dienstleistungsfirmen. Der Handel verlief dabei in sehr ruhigen Bahnen. "Impulse waren dünn gesät", sagt ein Börsianer. Der SMI verliert bis Börsenschluss 0,5 Prozent auf 8526 Punkte und steht damit noch 0,2 Prozent höher wie vor einer Woche.

Die nahende Präsidentschaftswahl in Frankreich verunsichere die Anleger, sagen Händler. Umfragen zufolge wird Marine Le Pen die erste Runde am 23. April für sich entscheiden. Die Chefin des rechtsextremen Front National will ihr Land aus der Euro-Zone führen. Ausserdem gebe es noch immer keine Klarheit über die Steuerpläne von US-Präsident Donald Trump. "Alle reden von der politischen Verunsicherung und legen die Hände in den Schoss", sagt ein Börsianer. Auch der tiefere Ölpreis und die nachlassende Kaufbereitschaft der US-Konsumenten trübten die Stimmung.

Im Mittelpunkt steht Sika. Die Aktien der Bauchemiefirma notieren um 2,8 Prozent höher. Das Unternehmen erzielte mitten im laufenden Übernahmestreit mit dem französischen Konkurrenten Saint-Gobain einen Rekordgewinn und hob sein Rentabilitätsziel an. Die Aktionäre sollen 102 Franken Dividende erhalten, fast ein Drittel mehr als zuletzt. Dem Übernahmeversuch der Franzosen räumt Konzernchef Jan Jenisch keine grossen Erfolgschancen mehr ein. "Nach dem starken Urteil des Gerichts in Zug ist Saint-Gobain vom Tisch", sagte der Sika-Chef Jenisch auf der Bilanzpressekonferenz.

Praktisch alle SMI-Titel im Minus

Die Standardwerte liegen mit Ausnahme von Actelion, Novartis, Roche und Syngenta im Minus. Die Aktien von Lafarge-Holcim gehören mit 2,2 Prozent Abschlag zu den grössten Verlierern. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen, nachdem sich der Aktienkurs des Zementproduzenten in den vergangenen fünf Wochen bis auf 75 Franken gestiegen ist vom Tief bei rund 50 Franken. Lafarge-Holcim will am Donnerstag den Jahresabschluss veröffentlichen.

Die Aktien des Personaldienstleisters Adecco, der ebenfalls am Donnerstag die Bilanz vorlegen will, sinken um 1,1 Prozent.

Die Titel von Swatch fallen um 0,9 Prozent. Berenberg nahm die Empfehlung auf "Sell" von "Hold" zurück. Die Anteile von Rivalin Richemont schwächen sich um 1,1 Prozent ab.

Auch andere zyklische Werte wie die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB und der Sanitärtechnikfirma Geberit wurden verkauft. Auch das als krisensicher geltenden Lebensmittelschwergewicht Nestlé gibt 0,4 Prozent ab. Novartis und Roche können sich dagegen schadlos halten.

Bankentitel europaweit unter Druck

Bei den europaweit unter Druck stehenden Banken verlieren Credit Suisse 2,4 Prozent an Wert. UBS und Julius Bär büssen 1,2 und 1,5 Prozent ein. Händler begründen die Schwäche des Sektors mit den gesunkenen Anleihenrenditen und schwachen Ergebnissen der britischen Geldhäuser Standard Chartered und Royal Bank of Scotland. Ebenso schwächen sich Versicherungstitel ab.

Am breiten Markt brechen die Anteile von Myriad fast 20 Prozent ein. Die Mobiltelefonsoftware-Firma verringerte 2016 zwar den Verlust, erzielte aber auch weniger Umsatz.

Gewinnmitnahmen stoppen den jüngsten Aufwärtstrend von Schmolz+Bickenbach. Auch bei Aktien von anderen kleinen und mittelgrossen Firmen, die kräftig gestiegen waren, nahmen Anleger Gewinne mit. Arbonia, Bossard, Bobst und Also büssen über 2 Prozent ein.

Die Aktien der Accu Holding fallen um 1,9 Prozent. Das Konkursamt Hochdorf hat wie erwartet den Konkurs über die Beteiligungsgesellschaft eröffnet.

(Reuters)