SMI unter 8300 PunktePharma- und Nahrungsmittelwerte belasten Schweizer Börse

Kursverluste bei den Index-Schwergewichten aus der Pharma- und Nahrungsmittelbranche haben die Schweizer Börse am Dienstag belastet.
31.01.2017 17:39
Am Hauptsitz von Roche in Basel. Die Pharma-Aktien sind am Dienstag etwas unter Druck geraten.
Am Hauptsitz von Roche in Basel. Die Pharma-Aktien sind am Dienstag etwas unter Druck geraten.
Bild: cash

Enttäuschende Quartalszahlen, die überraschend schlechte Stimmung der Chicagoer Einkaufsmanager sowie weitere irritierende Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump trübten die Stimmung. Zudem scheuten die Anleger vor dem zweitägigen Offenmarktausschuss der US-Notenbank das Risiko. Der SMI verlor knapp 0,4 Prozent auf 8292 Punkte.

Im Fokus stand Givaudan. Die Aktien des Aromen- und Riechstoffhersteller sackten nach einem mit Enttäuschung aufgenommenen Jahresergebnis vier Prozent ab. Der Gewinn stieg zwar um 3,1 Prozent auf 644 Millionen Franken. Wegen Investitionen und einer Übernahme schnitt der Konzern damit aber schlechter ab als von Analysten erwartet. Die Aktionäre tröstet Givaudan mit einer um zwei auf 56 Franken je Aktie angehobenen Dividende. "Enttäuschend auf allen Ebenen", sagte ein Händler. Das Genfer Unternehmen bestätigte die im Sommer für die Jahre 2016 bis 2020 ausgegebenen Ziele.

Die Actelion-Aktien fielen um 5,6 Prozent. Berichte über Todesfälle nach der Einnahme eines Lungenmedikaments der Biotechnologiefirma verunsicherten die Anleger. Die französische Arzneimittelbehörde ANSM hatte Ärzte aufgerufen, das Medikament Uptravi zur Behandlung von Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) nicht mehr neu zu verschreiben. Zudem würden Investoren auch nach dem Kurssprung im Zug des Übernahmeangebots von Johnson & Johnson Gewinne einstreichen. Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern will Actelion für 30 Milliarden Dollar schlucken.

Händler sagten, auch Äusserungen von US-Präsident Trump belastetn die Gesundheitswerte. Trump drängte die Branche zur verstärkten Produktion in den USA gedrängt. "Ich will, dass Sie in den USA produzieren", sagte Trump am Dienstag nach einer Zusammenkunft mit den Chefs führender Firmen der Branche im Weissen Haus.

Novartis legen zu

Die Aktien von Novartis allerdings stiegen um 0,6 Prozent. Die EU hat das Medikament Votubia des Pharmakonzerns zur Behandlung von Krampfanfällen bei Patienten mit Tuberöser Sklerose zugelassen. Dagegen büssten die Roche-Titel am Tag vor der Bilanzveröffentlichung 0,4 Prozent ein. Analysten erwarten einen Gewinnzuwachs um gut einen Fünftel.

Um 2,5 Prozent schwächer waren die Aktien von Basilea. Das Biotech-Unternehmen war wegen der Übernahme von Actelion durch Johnson & Johnson jüngst bei spekulativ orientierten Anlegern gefragt.

Die Aktien von Nestle rutschten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und verloren 0,1 Prozent. Mit den Aktien von Hügli, Emmi, Aryzta sowie Lindt & Sprüngli gaben weitere Lebensmittelwerte nach.

Die Anteile des Luxusgüterkonzerns Richemont und des Uhrenkonzerns Swatch machten die Einbussen vom Montag zum Teil wett und stiegen 0,5 und 0,9 Prozent. Das Swatch-Jahresergebnis wird in den kommenden Tagen erwartet.

Die zyklischen Werte notierten nach einem achterbahnartigen Verlauf meist schwächer. Die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Chemikalienproduzenten Clariant, des Zementkonzerns LafargeHolcim und des Personalvermittlers Adecco gaben geringfügig nach.

Dei Papiere der Sanitärtechnikfirma Geberit und des Inspektionskonzerns SGS legten leicht zu. Der Titel des Maschinenbauers Oerlikon stiegen fast zwei Prozent auf 11,20 Franken. UBS hat die Aktie mit Kursziel 13,50 Franken zum Kauf empfohlen.

Finanzwerte im Minus

Auch Finanzwerte rutschten im Verlauf ins Minus. Die Aktien der UBS fielen um 1,1 Prozent und die der Credit Suisse um 1,4 Prozent. Der Vermögensverwalter Julius Bär gewann am Tag vor dem Jahresergebnis dagegen 0,3 Prozent an Wert.

Am breiten Markt fielen die Aktien von Addex und Myriad mit deutlichen Gewinnen auf. In beiden Firmen kommt es zu einem Führungswechsel. Addex hat zudem von der Michael J. Fox-Stiftung 835.000 Dollar zur Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Parkinson erhalten.

Die Aktien der Accu Holding sackten um 37,5 Prozent ab. Der Handel mit den Aktien der überschuldeten Firma war seit Jahresende eingestellt. Die Aktien werden nach Angaben der Schweizer Börse dekotiert. Der letzte Handelstag ist der 27. April.

Bei Nebenwerten, die im Vorjahr stark an Wert gewonnen hatten, strichen die Anleger Gewinne ein. Dottikon und Gurit gaben kräftig nach.

AMS verloren 1,6 Prozent. Händler sprachen von Abgaben vor dem mit Spannung nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalsbericht des iPhone-Herstellers Apple.

(Reuters)