Pharmawerte belasten Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag unter dem Druck kräftiger Kursverluste der schwergewichtigen Pharmawerte nachgegeben. Der SMI büsste 0,6 Prozent auf 8375 Punkte ein.
12.01.2017 17:37
Die Kurse an der Schweizer Börse SIX geben am Donnerstag nach.
Die Kurse an der Schweizer Börse SIX geben am Donnerstag nach.
Bild: cash

Die scharfe Kritik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump an der Branche hatte bereits am Vortag den Herstellern von Arzneimitteln zu schaffen gemacht. Am Mittwoch hatte der Leitindex 0,3 Prozent verloren. Händler erwähnten zudem Zweifel am US-Wirtschaftsboom und den sich abschwächenden Dollar als weitere Negativfaktoren.

Trump habe auf seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl zum US-Präsidenten enttäuscht, sagten Händler. "Anstatt die im Wahlkampf gemachten Steuer- und Konjunkturversprechen zu konkretisieren, hat er sich vehement gegen Berichte über angebliche kompromittierende Dossiers über ihn zur Wehr gesetzt und den eigenen Geheimdiensten Nazi-Methoden vorgeworfen", sagte ein Händler. "Der Putz am Haus der optimistischen Erwartungen bröckelt bedenklich", sagte ein anderer Börsianer.

Auch die Reden verschiedener Vertreter der US-Notenbank über die Geld- und Wirtschaftspolitik sowie eine Reihe guter Konjunkturzahlen konnten dem Markt keinen frischen Wind einhauchen, hiess es.

Novartis und Roche schwächer

Die Anteile der Pharmakonzerne gaben europaweit und in den USA Terrain preis. Novartis und Roche sackten um 2,2 beziehungsweise 2 Prozent ab. Dies drückte den Index um mehr als 70 Zählern. Trump hatte am Vortag den Pharmafirmen die Leviten gelesen und sie wegen ihrer Preispolitik scharf kritisiert und damit die Angst vor Ertragseinbussen im weltgrössten Gesundheitsmarkt geschürt. Die beiden Titel hatten am Mittwoch im Schlusshandel schon kräftig verloren. Die Anteile der Pharmafirma Basilea verloren 1,9 Prozent. Einzig die Anteile des Übernahmeziels Actelion legten dagegen dank anhaltender spekulativer Käufe 0,1 Prozent zu.

Gefragt waren die Aktien von Richemont, die nach einem besser als erwarteten Quartalsbericht um mehr als acht Prozent in die Höhe schossen. Der Luxusgüterhersteller hatte im dritten Quartal mehr Umsatz als von Analysten erwartet erzielt. Der Konzern legte in Asien und Europa vor allem im Schmuckgeschäft zu und kehrte auf den Wachstumspfad zurück. Der Umsatz stieg im Weihnachtsquartal währungsbereinigt um fünf Prozent auf 3,09 Milliarden Euro. Im Schlepptau zogen Swatch um 5,5 Prozent an. Händler sagten, massive Deckungskäufe hätten den Kursanstieg verstärkt.

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS bröckelten im Verlauf ab. Händler sagten, die Hoffnung, dass der zukünftige US-Präsident Trump die strengen Regeln im Finanzsektor lockern könnte, hätten nicht lange geholfen.

Niederlage für die UBS

Zudem erlitt UBS in einem Rechtsstreit mit Frankreich um eine 1,1 Milliarden Euro schwere Kaution eine Niederlage. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies am Donnerstag einen Einspruch der Schweizer Großbank gegen die Kaution ab. Die französischen Behörden werfen der Bank vor, reichen Franzosen geholfen zu haben, Geld vor dem Fiskus zu verstecken. Die dortigen Richter hatten der Bank in dem Rechtsstreit mit einer Busse von 4,9 Milliarden Euro gedroht. "Das schürt die Angst vor einem weiteren von Bussen und Zahlungen gepflasterten Schlachtfeld", sagte ein Händler. So hat der Steuerstreit mit den USA hat die Schweizer Banken Milliarden gekostet.

Die Versicherungspapiere schwächten sich meist ebenfalls ab. Zurich fielen um 1,4 Prozent auf 280,30 Franken. SocGen hatte den Titel auf "Sell" von "Hold" zurückgestuft. Kepler Cheuvreux hob zwar das Kursziel auf 270 von 255 Franken an, bestätigte aber das Rating "Reduce".

Die Aktien zyklischer Firmen waren uneinheitlich. ABB, Syngenta und LafargeHolcim gaben nach. SGS und Clariant legten zu.

Adecco stiegen um 0,6 Prozent auf 70,55 Franken. Die Deutsche Bank stufte die Papiere des Personalvermittlers auf "Hold" von "Sell" hoch und setzte das Kursziel mit 75 Franken fest.

Unerwartet gute Ergebnisse schoben die Aktien von VAT, Inficon und Partners Group nach oben. Dagegen sackten U-blox nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung um 13,3 Prozent ab.

Die Anteile von Meyer Burger notierten nach einer Berg- und Talfahrt unverändert. Der Zulieferer der Solarindustrie hat einen acht Millionen Franken schweren Auftrag von einem europäischen Kunden erhalten. "Die Aktie schwingt zwischen Hoffen und Bangen auf und ab und dürfte volatil bleiben", sagte ein Händler und verwies auf den Kursverlauf des Papiers seit der Kapitalerhöhung im Dezember. 

(Reuters)