Politik-Risiken drücken Kurse an der Schweizer Börse

Die Kurse an der Schweizer Börse haben am Dienstag auf breiter Front nachgegeben.
17.01.2017 17:30
Lavabos von Geberit warten auf die Auslieferung. Die Aktie war am Dienstag gesucht.
Lavabos von Geberit warten auf die Auslieferung. Die Aktie war am Dienstag gesucht.
Bild: zvg/Geberit

Aus Furcht vor einem harten Brexit und vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump am Freitag hätten sich die Anleger bedeckt gehalten, sagten Händler. Der SMI sank um 0,7 Prozent auf 8304 Punkte. Am Montag war der Schweizer Leitindex um 1,1 Prozent gefallen.

Die Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May eines klaren Bruchs mit der Europäischen Union und eines Abschieds vom EU-Binnenmarkt habe die Anleger verschreckt, sagten Händler. Etwas ermutigt habe sie aber, dass die Regierung ein finales Brexit-Abkommen dem britischen Parlament zur Abstimmung vorlegen wolle. Dies mache Hoffnung, dass der Schnitt mit der EU und seine wirtschaftlichen Folgen doch nicht so hart ausfallen könnten wie befürchtet.

Abgesehen vom Brexit beschäftigten noch weitere im Laufe der Woche erwartete Ereignisse die Anleger. Dazu zählen der Amtsantritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump am Freitag und die erste Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im neuen Jahr am Donnerstag.

Geberit gesucht

Im Mittelpunkt standen Firmen, die Angaben zum Geschäftsgang machten. Unter den mehrheitlich schwächer tendierenden Standardwerten fielen die Aktien von Geberit mit einem Kursplus von 2,3 Prozent auf. Der Sanitärtechnik-Konzern hat 2016 mehr Umsatz erzielt als erwartet und zudem die Gewinnmargen auf 28,5 Prozent verbessert. Die Verkaufserlöse stiegen um 8,3 Prozent 2,81 Milliarden Franken. Der Konzern dürfte auch 2017 vom Bauboom in weiten Teilen Europas profitieren.

Etwas fester zeigten sich die Aktien von Syngenta. Firmen-Präsident Michel Demare sagte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, er sei sehr zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörden die Übernahme durch ChemChina genehmigen werden. Er rechne auch ohne einen grossen Bereichsverkauf mit grünem Licht der Wettbewerbsbehörden, sagte Syngenta Konzernchef Erik Fyrwald mit Blick auf die Generika-Tochter Adama.

Am breiten Markt schnellten die Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli 4,8 Prozent hoch. Der Edelschokolade-Hersteller steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent auf 3,9 Milliarden Franken und verkaufte damit in etwa so viel wie Analysten erwartet hatten. Die Firma stellte eine Verbesserung der Betriebsgewinnmarge in Aussicht und dank einer niedrigeren Steuerrate eine überproportionale Steigerung des Reingewinns.

Die Komax-Aktien rückten 1,9 Prozent vor. Die Kabelmaschinen-Firma steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um fast 18 Prozent auf rund 370 Millionen Franken. Die Bestellungen nahmen um 6,3 Prozent auf 370,2 Millionen Franken zu, wobei sie im zweiten Halbjahr deutlich höher waren als im ersten Semester.

Die Anteile von Cicor stiegen um mehr als elf Prozent. Die Leiterplatten-Firma steigerte den Umsatz um ein Viertel auf 220 Millionen Franken und drehte den Negativtrend bei den Ergebnissen nach oben.

Die Verliererliste bei den Bluechips wurde von zyklischen Werten angeführt. Die Aktien des Prüfkonzerns SGS büssten 2,3 Prozent ein. Credit Suisse nahm die Empfehlung für SGS zurück. Die Papiere des Personalvermittlers Adecco machten anfängliche Einbussen nach einer Ratingsenkung durch RBC praktisch wieder wett.

Banken geben nach

Auf den Verkaufslisten standen auch Finanzwerte. Die Anteile der Grossbanken Credit Suisse und UBS, des Versicherers Zurich und des Rückversicherers Swiss Re verloren um ein Prozent. UBS könnte nach den Worten von Konzernchef Sergio Ermotti im Zuge des Brexit bei Bedarf ihre Aktivitäten in Frankfurt ausbauen. "Wir haben eine Basis in Frankfurt", sagte Ermotti am Montag am Weltwirtschaftsforum in Davos. CS-Chef Tidjane Thiam sagte in Davos, die Vorbereitungen für den Börsengang der Schweiz-Tochter liefen auf Hochtouren.

Von den als krisensicher geltenden Index-Schwergewichten notierten die Roche-Scheine leicht tiefer als am Vortag. Die Aktien von Rivale Novartis büssten 1 Prozent ein und die Titel des Lebensmittelkonzerns Nestle ermässigten sich ebenfalls um 1 Prozent.

Gewinnmitnahmen drückten die Aktien der Werbefirma Goldbach Group, des Hersteller von Dentalmedizinzubehör Coltene und des Pharmazulieferers Bachem deutlich in die Verlustzone. Die drei Aktien haben im Vorjahr überdurchschnittlich kräftig zugelegt. 

(Reuters)