SMI: Anleger vor US-Machtwechsel in Deckung

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag schwächer tendiert. Im Verlauf konnten die Verluste aber eingegrenzt werden.
19.01.2017 17:37
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich: die Aktien waren am Donnerstag gefragt.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich: die Aktien waren am Donnerstag gefragt.
Bild: cash

Vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump am Freitag wollten die Anleger keine Risiken eingehen und hielten sich zurück. Zudem dämpfte über weite Strecken auch das Warten auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) und mehrere US-Konjunkturzahlen die Aktivitäten. Der SMI stand mit 8273 Punkten um 0,5 Prozent unter dem Vortag, als das Börsenbarometer geringfügig höher geschlossen hatte.

Die EZB beliess wie erwartet "alles beim Alten". Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent und soll auch noch lange Zeit dort verharren. Die Anleihenkäufe sollen bis mindestens Ende 2017 weitergeführt werden, der monatliche Umfang ab April aber von derzeit 80 auf 60 Milliarden Euro sinken.

Dagegen hatte der Konjunkturbericht der US-Notenbank - das sogenannte Beige Book" - die Anleger etwas aufgeschreckt. Fed-Chefin Janet Yellen bestätigte am Mittwochabend das Ziel, die Zinsen weiter anzuheben. Bis zum Ende des Jahrzehnts könne der Schlüsselsatz wieder bei drei Prozent liegen. Als Folge der unterschiedlichen Zinsaussichten legte der Dollar gegenüber dem Euro merklich zu.

Credit Suisse gesucht

Im Mittelpunkt stand die Credit Suisse, deren Aktien um 0,8 Prozent stiegen. Das Geldhaus hat seine grösste Altlast vom Tisch: Die Grossbank besiegelte den mit dem US-Justizministerium bereits kurz vor Weihnachten ausgehandelten Vergleich über unsaubere Geschäfte am US-Hypothekenmarkt. Die Tricksereien kosten das Institut insgesamt 5,3 Milliarden Dollar. Die Vereinbarung dürfte der Bank 2016 Analystenschätzungen zufolge unter dem Strich einen Milliardenverlust einbrocken. Einem Händler zufolge seien die Anleger wohl erleichtert, dass die Busse nicht höher ausfiel. Ob das Kapitel Bussen für die Bank abgeschlossen sei, bleibe aber noch abzuwarten.

Die Anteile von Konkurrent UBS rückten 1 Prozent vor und machten einen Grossteil der Vortagsverluste wett. Die Titel der Vermögensverwalter Julius Bär und GAM legten ebenfalls zu. EFG kletterten um 3,8 Prozent nach oben. Die Aktien der Liechtensteinischen Landesbank schnellten 4,4 Prozent hoch. Die Bank stellte für das vergangene Jahr einen Gewinnanstieg um ein Fünftel in Aussicht. Der Geschäftsertrag erhöhte sich um 19 Prozent.

Die beiden Pharmawerte Novartis und Roche verloren 1,5 und 1,1 Prozent. Die Nestle-Aktien verloren 0,8 Prozent. Händler erwähnten ein Gerücht, wonach der Nahrungsmittelriese den US-Konkurrenten Mead Johnson kaufen könnte. Wegen der starken Marktstellung von Nestle liege die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme bei rund 30 Prozent, kommentierte die ZKB. Nestle lehnte einen Kommentar dazu ab.

Die drei Index-Schwergewichte zeichneten damit praktisch im Alleingang für den Rückgang des SMI verantwortlich.

Die ebenfalls als krisensicheres Investment geltenden Swisscom-Aktien büssten 0,7 Prozent ein. Die Anteile des Konkurrenten Sunrise legten zu. UBS hat das Kursziel für Swisscom gesenkt und das für Sunrise erhöht.

Gefragt waren Versicherungswerte, allen voran die Aktien des Lebensversicherers Swiss Life mit 1,4 Prozent Anstieg auf 296,40 Franken. UBS hat Swiss Life mit einem auf 315 von 280 Franken angehobenen Kursziel zum Kauf empfohlen. Die Titel des Rückversicherers Swiss Re ermässigten sich.

Auch zu Anteilen konjunktursensibler Unternehmen griffen die Anleger. Der Elektrotechnikkonzern ABB, der Personaldienstleister Adecco, der Agrarchemiekonzern Syngenta sowie die Chemikalienfirmen Clariant, Givaudan und Lonza gewannen an Wert.

Die Titel des Luxusgüterherstellers Richemont legten um 0,9 Prozent zu und die des Konkurrenten Swatch gewannen 1,1 Prozent. Leichte Kursabschläge gab es bei der Sanitärtechnikfirma Geberit.

Am breiten Markt gaben die Galenica-Aktien nach der Veröffentlichung der Umsatzzahlen 0,2 Prozent nach. Der Arzneimittelhersteller und Apothekenbetreiber traf mit einem Umsatzplus von 8,6 Prozent auf 4,12 Milliarden Franken die Markterwartungen.

Die Aktien des Bauausstatters Arbonia sackten nach Bekanntgabe der Umsatzzahlen 2,8 Prozent ab. Arbonia verfehlte die Erwartungen leicht, hiess es am Markt. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem jüngst steilen Kursanstieg.

Schwächer waren die Aktien der Immobilienfirmen Allreal, Investis, Mobimo, PSP und SPS. Der Immobilienzyklus sei zu Ende, lautet das Fazit einer Studie der UBS. "Das Hoch ist vorbei. Allmählich beginnt der Abschwung", sagte UBS-Immobilienspezialist Claudio Saputelli.

(Reuters)