Bankaktien gefragt - Schweizer Börse auf Erholungskurs

Die Schweizer Börse hat am Dienstag mehrheitlich freundlich tendiert. Händler sprachen von einer technischen Erholung nach den jüngsten Verlusten.
24.01.2017 17:30
Die Kurse an der Schweizer Börse setzen zu einer langsamen Erholung an.
Die Kurse an der Schweizer Börse setzen zu einer langsamen Erholung an.
Bild: ZVG

Im Verlauf schmolzen die Gewinne allerdings wieder etwas ab. Der SMI notierte um 0,2 Prozent höher mit 8247 Punkten. Am Montag war der Leitindex um gut ein halbes Prozent gesunken.

Für eine bessere Stimmung sorgte das Urteil des obersten britischen Gerichts, demzufolge das Parlament einem Austrittsgesuch des Vereinigten Königreichs aus der EU zustimmen muss. Dies erhöhe die Chancen für einen sanften und keinen harten Brexit, hiess es am Markt. Dagegen hielten das Rätselraten um die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump und die zahlreichen US-Firmenergebnisse Investoren von grösseren Engagements ab. "Hauptthema ist und bleibt der Präsident Trump", sagte ein Händler.

Die stärksten Gewinne unter den Bluechips verbuchten die Aktien von LafargeHolcim mit plus 3,5 Prozent. Die Aktie sei dabei, die Einbussen der vergangenen zehn Tage aufzuholen, sagte ein Händler. LafargeHolcim sei eben ein volatiler Wert.

Aryzta bricht ein

Massiv unter Druck standen die Aktien von Aryzta, die nach einer Gewinnwarnung fast ein Drittel ihres Werts einbüssten und mit 30.85 Franken auf dem tiefsten Stand seit Frühling 2009 notierten. Geringere Umsätze und höhere Personalkosten in den USA zwangen den Backwarenhersteller zu einer Gewinnwarnung. Nach fünf Monaten liege der Gewinn je Aktie rund 20 Prozent unter Vorjahr. Im gesamten Geschäftsjahr erwartet Aryzta einen ähnlichen Rückgang. Die Bank Vontobel sprach von einer neuerlichen hässlichen Prognosesenkung. "In letzter Zeit gab es kein einziges Quartal ohne Gewinnwarnung", so Analyst Jean-Philippe Bertschy. "Jetzt dürfte der Ruf nach einem Führungswechsel wieder laut werden", sagte ein Händler. Die Gewinnwarnung werfe eine Reihe von Fragen auf, erklärte Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Dagegen schossen die Aktien von LifeWatch um über 8,5 Prozent in die Höhe auf 10,80 Franken. Die Gesundheits- und Hotellerie-Firma Aevis Victoria bietet 0,1818 eigene Aktien oder 10,00 Franken netto in bar je LifeWatch-Titel.

Die Aktien der Banken machten einen grossen Teil der Vortagesverluste wett. Credit Suisse stiegen um 1,1 Prozent und Julius Bär gewannen 2,2 Prozent. UBS zogen mit Rückenwind einer Kaufempfehlung von Baader Helvea um 2,1 Prozent auf 16,83 Franken an. Das Kursziel lautet auf 20 Franken. UBS wird am Freitag ihr Jahresergebnis veröffentlichen. Die Assekuranzwerte tendierten ebenfalls mehrheitlich fester. Zurich rückten 0,6 Prozent vor.

Bei den Pharmaschwergewichten schwächten sich Novartis am Tag vor der Präsentation des Jahresabschlusses um 0,7 Prozent ab. Goldman Sachs hat das Kursziel auf 74 von 85 Franken gesenkt und das Rating Neutral bestätigt. Der Genussschein von Rivale Roche war um 0,3 Prozent leichter. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Medikament Actemra/RoActemra gegen die Autoimmunkrankheit Riesenzellarteriitis ein beschleunigtes Zulassungsverfahren gewährt.

Die Papiere des Übernahmekandidaten Actelion sanken um 3,1 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, weil Johnson&Johnson bei der Präsentation des Quartalsberichts nichts zu Actelion gesagt habe. Der US-Pharmakonzern und die Basler Biotechfirma verhandeln über eine Übernahme.

Die Titel von Nestle rückten um 0,3 Prozent vor. Der Nahrungsmittelriese will firmeninterne Dienstleistungen in Frankreich, Deutschland, Italien, in der Schweiz, in Russland und im Nahen Osten restrukturieren. Dies berichtete die französische Zeitung "Les Echos". Die Reorganisationen solle im kommenden Jahr in Kraft treten. Gewerkschaften in Frankreich befürchteten, dass es dadurch zu einem Stellenabbau kommt.

Die Aktien von zyklischen Firmen waren meist fester. Die Papiere des Elektrotechnikkonzerns ABB stiegen 0,7 Prozent. Der Personalvermittler Adecco und der Inspektionskonzern SGS wurden um 1,2 Prozent höher bewertet.

Der Schokoladehersteller Barry Callebaut und der Pharmazulieferer Lonza legen am Mittwoch Ergebnisse vor.

Am breiten Markt waren Aktien von Maschinen- und Anlagenbauern wie Oerlikon, Autoneum, Bobst und Feintool gefragt.

Die Anteile der GAM Holding wurden um 1,9 Prozent niedriger mit 10,15 Franken bewertet. Goldman Sachs hob zwar das Kursziel auf 9,20 Franken, bestätigte aber das Rating "Sell".

(Reuters)