Credit Suisse unter Druck - Schweizer Börse auf Konsolidierungskurs

Die Schweizer Börse hat zu Wochenbeginn nachgegeben. Nach den kräftigen Kursgewinnen in den vergangenen vier Wochen tue dem Markt eine Konsolidierungspause gut, sagten Händler.
06.03.2017 17:30
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Zudem sorgte die überraschende Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank für Unmut unter den Anlegern. Der SMI sank um 0,1 Prozent auf 8665 Punkte. In der Vorwoche war der Leitindex um 1,7 Prozent gestiegen.

Vor dem an den Finanzmärkten stark beachteten Arbeitsmarktberichtes der US-Regierung am Freitag hielten sich die Anleger zurück. "Die US-Notenbanker haben den Markt auf einen Zinsschritt in der kommenden Woche vorbereitet." Die monatliche Jobstatistik dürfte für Fed-Chefin Janet Yellen "das Tüpfelchen auf dem i" bei der Entscheidung für oder gegen eine Zinserhöhung im März sein, hiess es im Markt. Der Offenmarktausschuss der Fed veröffentlicht den Zinsentscheid am 15. März. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte beträgt gemäss Reuters-Daten mehr als 85 Prozent.

Die Bankaktien standen mehrheitlich auf den Verkaufszetteln. Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank dämpfte die Stimmung, sagten Börsianer. Das Geldhaus hat erneut einen Strategieschwenk beschlossen und pumpt seine Anleger um acht Milliarden Euro an. Zwei weitere Milliarden sollen aus dem Börsengang der Vermögensverwaltung kommen. "Zuerst heisst es gebetsmühlenartig, es gibt keine Kapitalerhöhung und dann kommt die 180-Grad-Wende", sagte ein Händler.

Banken unter Druck

Der europäische Branchenindex verlor gut ein Prozent. UBS sanken um 1,2 Prozent und Credit Suisse fielen um 4,3 Prozent. Die CS prüft einem Zeitungsbericht zufolge eine Absage des geplanten Börsengangs der Schweiz-Tochter. Das Projekt sei zu kompliziert und nicht länger nötig, berichtete die "SonntagsZeitung" unter Berufung auf Insider. Händler sagten, bei einer Absage des Börsengangs könnten bei einer Eintrübung der Geschäftsaussichten wieder Befürchtungen aufkeimen, dass sich die Bank dann auf anderem Wege Kapital besorgen müsse. "CS fällt parallel zur Deutschen Bank. Die zwei gehen oft in die gleiche Richtung", sagte ein Händler.

Besser schlugen sich die Anteile der Vermögensverwalter: Julius Bär ermässigten sich um 0,3 Prozent und Vontobel gaben leicht nach. GAM Holding gewannen 2,2 Prozent an Wert. Der aktivistische Investor RBR hat die Beteiligung an dem Vermögensverwalter auf 3,3 Prozent aufgestockt. RBR fordert bei dem Vermögensverwalter einem Insider zufolge einen neuen Konzernchef. Der Hedgefonds mache Alexander Friedman für die Probleme bei dem Fondshaus mitverantwortlich, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Versicherungstitel neigten mehrheitlich zur Schwäche. Gewinnmitnahmen belasteten Swiss Life mit 0,6 Prozent. Der Lebensversicherer hatte am Freitag den Jahresbericht veröffentlicht. Gut gehalten waren die Anteile von Helvetia. Helvetia veröffentlicht in der kommenden Woche Zahlen.

Die Anteile der als wenig konjunkturabhängig geltenden Pharmariesen Novartis und Roche waren praktisch unverändert. Die Novartis-Tochter Sandoz hat in einer Phase-III-Studie zum Biosimilar Adalimumab Daten vorgelegt, die zeigen, dass das Mittel die gleiche Effizienz hat wie das Referenzprodukt Humira.

Die Anteile des Lebensmittelkonzerns Nestle erholte sich von anfänglichen Einbussen und notierte um 0,7 Prozent höher.

Unter den meist schwächer tendierenden zyklischen Werten legten die Anteile des Luxusgüterherstellers Richemont und des Uhrenkonzerns Swatch zu. Händler sagten, der unerwartet gute Start der chinesischen Wirtschaft ins neue Jahr habe bei den Anlegern Zuversicht geweckt.

Die Titel des Elektrotechnikkonzerns ABB gaben 0,5 Prozent nach, die der Chemikalienfirma Clariant verloren ein Prozent. Adecco stiegen 0,6 Prozent und setzten die Erholung von den Einbussen im Sog der Bilanzvorlage fort.

Die Syngenta-Aktien sanken um 0,2 Prozent. Der chinesische Staatskonzern ChemChina hat nach eigenen Angaben die geplante 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Syngenta bereits bei den dortigen Behörden zur Wettbewerbsprüfung angemeldet und trat damit Aussagen des scheidenden chinesischen Handelsministers Gao Hucheng entgegen. Dieser hatte am Rande eines Treffens des chinesischen Parlaments erklärt, das Ministerium habe bislang noch keinen Antrag von ChemChina für die Übernahme von Syngenta erhalten.

Am breiten Markt büssten die Aktien von Dormakaba 1,8 Prozent ein. Kepler Cheuvreux hat den Titel der Schliesstechnikfirma auf "Hold" von "Buy" zurückgestuft.

(Reuters)