Schwergewichte belastenSchweizer Börse baut Verluste aus

Die Schweizer Börse hat zu Wochenanfang auf breiter Front nachgegeben. Im Fahrwasser der im Frühhandel schwächer tendierenden Wall Street weiteten sich die Abgaben aus.
30.01.2017 17:30
Ein Mitarbeiter von Givaudan mischt Aromen: Der Aktienkurs des Unternehemens steigen am Montag.
Ein Mitarbeiter von Givaudan mischt Aromen: Der Aktienkurs des Unternehemens steigen am Montag.
Bild: youtube

Die Anleger seien verunsichert wegen der möglichen Folgen des umstrittenen Einreiseverbots, das US-Präsident Donald Trump gegenüber Bürgern aus einigen muslimischen Ländern verhängt hat, hiess es am Markt. Trump hatte den Schritt mit dem Schutz der USA vor Anschlägen begründet. "An den Finanzmärkten führt die dadurch geschürte Unsicherheit zu einer defensiven Einstellung der Anleger", sagte ein Händler.

Der SMI schwächte sich um 0,6 Prozent auf 8322 Punkte ab. Am Freitag hatte der Leitindex 0,3 Prozent verloren, in der Vorwoche insgesamt aber 1,26 Prozent gewonnen.

Für Unruhe sorgte auch, dass der Dow Jones Index wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 20'000 Punkten gefallen ist. "Das weckt Ängste", sagte ein Händler. Solch wichtige runde Kursmarken hätten sich öfters als schwierige Hürden erwiesen. So habe der Dow Jones etwa bei der Marke von 10'000 Punkten mehrere Jahre gebraucht, bis er sich darüber habe etablieren können, sagte ein Händler.

Fed-Zinsentscheid am Mittwoch

Möglicherweise habe auch das am Dienstag beginnende Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank den Mut der Anleger etwas gedämpft, sagte ein Händler. Es werde nicht erwartet, dass die Fed am Mittwoch mit überraschenden Neuigkeiten aufwarten werde. Die Fed hatte im Dezember erstmals seit einem Jahr die Zinsen erhöht und weitere Schritte für 2017 signalisiert.

Stärkere Impulse dürften von den in den kommenden Tagen anstehenden Firmenbilanzen ausgehen. Am Dienstag veröffentlicht der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan seine Ergebnisse. Am Mittwoch folgen der Pharmakonzern Roche und der Vermögensverwalter Julius Bär. Auch der Uhrenproduzent Swatch könnte schon bald Zahlen vorlegen. Die Aktien von Givaudan führten mit einem Plus von 1,6 Prozent die raren Gewinner unter den Bluechips an.

Die meisten Standardwerte tendierten schwächer. Der stärkste Druck auf den Markt ging von den Aktien von Nestle und vom Genussschein von Roche aus.

Das Index-Schwergewicht Nestle sank um 1 Prozent, was den SMI um rund 20 Zähler belastete. Eine Verkaufsempfehlung von Liberum drückte Händlern zufolge den Kurs des weltgrössten Lebensmittelkonzerns. Ausserdem interessiert sich Nestle neben anderen Firmen für den britischen Müesli-Hersteller Weetabix, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen zu Reuters.

Roche sank ebenfalls um 1 Prozent. Rivale Novartis schlug sich mit plus 0,1 Prozent deutlich besser. Gewinnmitnahmen bremsten Basilea, die vergangene Woche dank spekulativer Käufe kräftig zugelegt hatten. Die Anleger hätten sich nach einem neuen Spekulationsziel umgesehen. "Spätestens seit dem offiziellen Übernahmeangebot für Actelion sind die Spekulationen bei Basilea wieder aufgefrischt", sagte ein Händler. Der US-Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson will Actelion für 30 Milliarden Dollar übernehmen.

Die Anteile zyklischer Firmen schwächten sich meist ab. Der Elektrotechnikkonzern ABB verlor 1 Prozent an Wert und LafargeHolcim büssten 1,4 Prozent ein.

Der Uhrenhersteller Swatch und der Luxusgüterkonzern Richemont verloren je 1,2 Prozent an Wert. Die Titel des Personalvermittlers Adecco büssten trotz Kaufempfehlungen von Barclays und HSBC gut ein Prozent ein.

Auch Finanzwerte schlossen sich den Kursrückzug an: Die Aktien der Grossbank Credit Suisse sanken um 0,5 Prozent. Die Titel der UBS fielen um 0,7 Prozent. Bei den Versicherungen gab es zum Teil kräftige Kursabschläge. Swiss Re und Zurich sackten um 1,5 und 1,9 Prozent ab.

Am breiten Markt zogen die Anteile von Metall Zug 1,7 Prozent an. Der Hersteller von Haushaltsgeräten hat 2016 den Umsatz leicht über 950 von 928 Millionen Franken gesteigert. Beim Betriebsgewinn erwartet die Firma einen Anstieg auf mehr als 90 von 81 Millionen Franken.

Eine Kaufempfehlung hob die Aktien von AMS um 3,1 Prozent. Santhera gewannen 2.8 Prozent auf 74,30 Franken. Kepler Cheuvreux hat nach einer Telefonkonferenz mit dem Management der Pharmafirma die Kaufempfehlung mit Kursziel 82 Franken bekräftigt.

(Reuters)