Aktien SchweizDie Schweizer Börse gibt nach

Die Schweizer Börse hat am Dienstag belastet von den als krisenresistent geltenden Marktschwergewichten nachgegeben. Das Geschäft verlief laut Händlern bis auf wenige Ausnahmen relativ ruhig.
14.02.2017 17:40
Die CS-Aktie war am Dienstag nach der Bilanzpräsentation auf Erholungskurs.
Die CS-Aktie war am Dienstag nach der Bilanzpräsentation auf Erholungskurs.
Bild: Bloomberg

"Abgesehen von wenigen Spezialsituationen lief nicht viel", sagt ein Händler. "Wir haben etwas Dampf abgelassen", sagt ein anderer Börsianer.

Der mit Spannung erwartete Auftritt der US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Kongress weckt Zinsängste bei den Anlegern, belastete die Dividendenpapiere zunächst aber wenig. Eine Zinserhöhung sei unter gewissen Bedingungen auf einer der nächsten Sitzungen "wahrscheinlich angebracht", sagte Yellen. Dazu müssten sich der Arbeitsmarkt und die Inflation im Einklang mit den Erwartungen der Zentralbank Fed entwickeln.

Der SMI notiert zum Börsenschluss mit 8426 Punkten um 0,4 Prozent schwächer. Am Montag war der Leitindex um 0,1 Prozent gestiegen.

CS-Aktie nach Bilanzvorlage gesucht

Im Fokus der Marktteilnehmer stehen die Aktien der Credit Suisse. Sie klettern nach der Bilanzvorlage um 2,3 Prozent in die Höhe. Eine US-Busse wegen Tricksereien am Immobilienmarkt brockte der zweitgrössten Schweizer Bank 2016 einen Verlust von 2,438 Milliarden Franken ein. Analysten hatten durchschnittlich einen Fehlbetrag von 2,1 Milliarden Franken prognostiziert.

"Die Zahlen sind gemischt", sagt ein Händler. Der Vorsteuergewinn sei weniger schlecht als erwartet ausgefallen, sagt er. Positiv sei die Entwicklung der Kapitalquote, die in Aussicht gestellte Dividende vom 70 Rappen je Aktie sowie der Sparkurs, heisst es am Markt. "Die Kapitalquoten übertrafen klar die Erwartungen", erklärt Vontobel-Analyst Andreas Venditti.

Die Aktien der meisten anderen Banken machten frühe Verluste im Verlauf wett. Die Aussicht auf höhere Zinsen in den USA dürfte dazu beitragen, die Geschäftsaussichten für Banken in Europa zu verbessern, heisst es. UBS gewinnen 0,3 Prozent, Julius Bär steigen um 0,8 Prozent und Vontobel 0,1 Prozent. Die Aktien der Regionalbank Valiant rücken am Tag vor der Bilanzvorlage 0,2 Prozent vor.

Die Assekuranzwerte stimmten in die Erholung mit ein. Einzig Swiss Re sind gegen den Trend 0,4 prozent tiefer.

Schwergewichte lasten auf dem SMI

Bei den als krisenresistent geltenden Pharmatiteln sind Novartis um 0,5 Prozent leichter, während der Genussschein von Roche um 1,1 Prozent sinkt.

Die Aktien von Actelion sinken um 0,3 Prozent. Das Übernahmeziel hat im vergangenen Jahr den Gewinn um ein Viertel auf 696 Millionen Franken gesteigert. Damit habe Actelion so viel umgesetzt und verdient wie nie zuvor, sagte Finanzchef Andre Muller.

Die Anteile von Nestlé schwächen sich um 0,9 Prozent ab. Der Nahrungsmittelriese legt am Donnerstag seine Zahlen vor. Händler raten zur Vorsicht. "Die Gefahr einer Enttäuschung besteht", sagt ein Börsianer. Rivale Unilever verzeichnete im Schlussquartal wegen Problemen in Brasilien und Indien ein mageres Umsatzwachstum. Von Reuters befragte Analysten rechnen bei Nestlé mit einem Rückgang des organischen Wachstums auf 3,4 von 4,2 Prozent im Jahr zuvor.

Konsolidierung bei den Zyklikern

Die meisten zyklischen Papiere neigen ebenfalls zur Schwäche. Händler sprechen von einer Konsolidierung nach dem jüngsten Anstieg. Syngenta sinken um 0,4 Prozent. Die US-Behörden benötigen mehr Information, um die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Syngenta durch Chem China zu prüfen. Dennoch erwartet die Firma dadurch keine Verzögerung und rechnet mit einem Abschluss des Deals im zweiten Quartal, wie Syngenta erklärte.

Adecco legen 0,8 Prozent zu. Händler erklären den Kursgewinn des Personalvermittlers mit dem besser als erwarteten Quartalsbericht von Rivale Randstad.

Aryzta wechselt Führung aus - Aktie macht Kurssprung

Am breiten Markt stechen die Anteile von Aryzta mit einem Kurssprung um 11,5 Prozent hervor. Bei dem Backwarenhersteller kommt es zu einem Führungswechsel. Firmenchef Owen Killian, Finanzchef Patrick McEniff und Americas-Chef John Yamin treten zum Ende des Geschäftsjahres zurück. Der Backwarenhersteller will zudem seine Investitionsstrategie bei Gemeinschaftsunternehmen überprüfen.

"Die angekündigten Massnahmen erfüllen in etwa die seit der unerwarteten Gewinnwarnung Ende Januar 2017 vernehmbaren Forderungen der Finanzgemeinde an Aryzta", schreibt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann.

Die Anteile von Zehnder legen 3 Prozent zu. Research Partners hat die Analyse des Heizkörperherstellers mit der Empfehlung "Kaufen" gestartet.

Die Titel von Schindler sinken um 0,4 Prozent. Der Lift- und Rolltreppenhersteller veröffentlicht am Mittwoch den Jahresabschluss.

(Reuters)