Aktien Schweiz - Schwergewicht Nestlé belastet die Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat Donnerstag im Einklang mit anderen Märkten in Europa und der Wall Street nachgegeben. Im späten Handel wurden die Verluste etwas eingrenzt.
16.02.2017 17:35
Lebensmittelriese und Börsenschwergewicht Nestlé (im Bild der Hauptsitz in Vevey am Genfersee) lastet am Donnerstag stark auf dem SMI.
Lebensmittelriese und Börsenschwergewicht Nestlé (im Bild der Hauptsitz in Vevey am Genfersee) lastet am Donnerstag stark auf dem SMI.
Bild: Bloomberg

Nach dem Rekordlauf der US-Dividendenpapiere seien die Anleger vorsichtig, weil sie laut Händlern eine Korrektur befürchteten. "Vor allem die Rekordjagd an der Wall Street wirft die Frage auf, ob der Markt nicht reif für einen Marschhalt ist", sagt ein Händler.

Der Markt sei überkauft und daher nähmen auch die Gewinnmitnahmen zu. Auch die erneut besser als erwartet ausgefallenen US-Daten konnten den Börsen keinen zusätzlichen Schub mehr verleihen. "Die neue US-Regierung hat viel Vorschusslorbeeren erhalten", sagt ein anderer Börsianer.

Der SMI notiert zum Handelsschluss mit 8468 Punkten um 0,2 Prozent tiefer. Am Mittwoch war der Leitindex um 0,7 Prozent gestiegen. Auch charttechnische Faktoren sprächen für eine Gegenbewegung. "Die Zone um 8480/8500 Punkte ist eine Wand, an der wir uns mehrfach den Kopf gestossen haben", sagt ein Händler. Der SMI müsste sich bald mit viel Schwung klar über diesen Widerstand hieven. "Erst dann ergäbe sich eine neue, positive Situation", sagt der Händler.

Die leicht tieferen Kurse könnten zum Teil auch mit dem kleinen Eurex-Verfall von Morgen Freitag erklärt werden. "Meist steht der Markt in der Verfallswoche etwas unter Abgabedruck", sagt ein Börsianer. Am Freitag laufen Optionen auf Aktien und Indizes aus.

Nestlé nach enttäuschendem Jahresergebnis im Verkauf

Der grösste Teil des Index-Rückgangs ist den Aktien von Nestlé geschuldet. Nestlé, die vor Novartis und Roche am schwersten gewichtete Aktie im SMI, büsst 1 Prozent ein. Dies drückte den Index um über 20 Zähler. Zeitweise lag der Titel um mehr als 2 Prozent im Minus.

Das Jahresergebnis des Lebensmittelriesen kam bei Anlegern nicht gut an. Nestlé habe die Analystenerwartungen verfehlt, heisst es. Das organische Umsatzwachstum, auf das die Analysten ein besonders Augenmerk richten, sei mit 3,2 Prozent geringer als erwartet und auch unter dem Vorjahreswert von 4,2 Prozent ausgefallen. Der Gewinn ging unter anderem wegen eines Steuereffekts auf 8,5 Milliarden Franken zurück.

"2017 ist ein Übergangsjahr", sagt ein anderer Börsianer. "Wer eine etwas längerfristige Sicht hat, kann nun aber getrost zugreifen." Das Ergebnis sei für Nestlé schwach, lasse sich aber im Konkurrenzvergleich weiterhin sehen, sagt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann.

Die Anteile der beiden Pharmariesen Novartis und Roche legen um 0,5 Prozent zu.

Johnson&Johnson bietet wie erwartet 280 Dollar je Actelion-Aktie

Actelion geben 0,5 Proznet nach. Johnson&Johnson hat das Übernahmeangebot nun vorgelegt und bietet wie angekündigt 280 Dollar je Aktie der Biotechfirma.

Die Aktien von Clariant verlieren 0,4 Prozent. Der Chemiekonzern hat 2016 dank einer guten Nachfrage aus Schwellenländern mehr verdient und den Reingewinn um 16 Prozent auf 263 Millionen Franken erhöht. Die Margenverbesserung sei positiv, aber der Reingewinn liege unter dem Konsens, heisst es am Markt.

Auch Aktien anderer zyklischen Firmen rutschen etwas ab. Die Anteile von ABB sinken um 0,2 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern hat vom Schweizer Bahnbauer Stadler einen Auftrag über 70 Millionen Dollar erhalten.

Straumann sacken um 2,2 Prozent ab. Der Hersteller von Dentalimplantaten hat den Gewinn 2016 dank eines einmaligen Steuergewinns auf 229,6 (Vorjahr 71,5) Millionen Franken verdreifacht und ist zuversichtlich, mit einem organischen Wachstum im hohen einstelligen Bereich 2017 schneller als der Markt zu wachsen. Die Betriebsgewinnmarge soll verbessert werden. Der Ausblick sei zurückhaltend, schreibt die Bank Vontobel. Die Aktie sei mit einem Kursplus von 30 Prozent im vergangenen Jahr bereits sehr gut gelaufen, sagt ein Händler.

Gewinnmitnahmen bei den Finanzwerten

Gewinnmitnahmen belasteten die Finanzwerte. UBS fallen um 1,3 Prozent, Credit Suisse sinken um 1,7 Prozent und Julius Bär ermässigen sich um 0,4 Prozent. Auch die Versicherungsaktien verlieren Terrain. Swiss Re steigen nach dem Kursabschlag vom Vortag um 0,7 Prozent.

Am breiten Markt stechen Kudelski mit einem Minus von 7,6 Prozent heraus. Der TV-Verschlüsselungsspezialist erwartet 2017 zwar mehr Umsatz, aber mit 60 bis 80 Millionen Franken weniger Betriebsgewinn.

Die Anteile von Leonteq sacken um weitere 7,1 Prozent ab auf ein neues Mehrjahrestief. Die Derivat-Boutique hat vor einer Woche für das zweite Halbjahr 2016 einen Verlust von 20 Millionen Franken gemeldet.

Die Aktien von Temenos steigen um 4 Prozent und holen damit einen Teil der Vortagesverluste auf. Der Produzent von Banksoftware hatte am Vortag ein wie erwartet gutes Ergebnis veröffentlicht. Darauf kam es laut Händlern zu Gewinnmitnahmen.

(Reuters)