Trump macht Schweizer Anleger nervös

Die Schweizer Börse hat zum Wochenbeginn schwächer tendiert. Unter Druck standen vor allem Bankaktien und die beiden Pharma-Schwergewichte.
23.01.2017 17:30
Ein Mitarbeiter von Actelion im Labor: Die Aktien des Unternehmens legten am Montag zu.
Ein Mitarbeiter von Actelion im Labor: Die Aktien des Unternehmens legten am Montag zu.
Bild: ZVG

Der neue US-Präsident Donald Trump habe die Anleger mit seiner Amtantrittsrede verunsichert, sagten Händler. Die Aussicht auf eine protektionistische Handelspolitik dürfte wohl nicht ohne Bremseffekte bleiben.

Der SMI notierte mit 8226 Punkten um 0,6 Prozent tiefer. Der Leitindex notiert nun tiefer als zum Jahresende 2016.

Bei seiner Amtseinführung hatte Trump seinen harten aussen- und wirtschaftspolitischen Kurs bekräftigt und die Formel "Amerika zuerst" zur Leitlinie seiner Amtszeit erklärt. "Noch ist nicht absehbar, wie stark die Politik umgesetzt wird und wie sie sich auf die Weltwirtschaft auswirkt", sagte ein Marktteilnehmer.

Unter Abgabedruck standen vor allem Finanzwerte: Die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär verloren 2,8 Prozent und setzten sich damit an die Spitze der SMI-Verlierer. Die Anteile der Credit Suisse lagen 2,6 Prozent im Minus. Rivale UBS wurde um 1,3 Prozent tiefer bewertet. UBS will am Freitag die Jahresbilanz vorlegen. Nach einer Verkaufsempfehlung der Credit Suisse fielen die Aktien der GAM Hoding um 5,9 Prozent. Händlern zufolge belastet der Rückgang der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen die Finanzwerte. Europaweit büssten die Bankwerte Terrain ein. "Die Marktteilnehmer sind verunsichert und gehen in sicherere Anlagen wie Treasury-Bonds."

Auch Versicherungstitel verloren. Die Kurseinbussen waren mit weniger als einem halben Prozent aber deutlich geringer als bei den Banken. Swiss Re sanken um 0,4 Prozent. Der Rückversicherer kann in Indien eine Niederlassung gründen.

Die Aktien von SGS fielen um 2,1 Prozent. Der Prüfkonzern hat 2016 bei einem Umsatzplus einen leichten Gewinnrückgang verbucht und damit die Analystenerwartungen verfehlt. SGS will aber trotzdem die Dividende leicht auf 70 Franken je Aktie erhöhen. Zudem stellte der Genfer Konzern ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis 250 Millionen Franken in Aussicht.

Die an sich als krisensicher geltenden die Pharmawerte Novartis und Roche waren um 1,2 und 0,6 Prozent schwächer. Der europäische Branchenindex fiel um knapp ein Prozent, nachdem Trump als eine seiner ersten Amtshandlungen die US-Gesundheitsreform Obamacare per Erlass aufgeweicht hatte.

Mit Nestle verlor auch das dritte defensive Index-Schwergewicht an Wert. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns gaben 0,3 Prozent nach.

Actelion im Plus

Zu den wenigen SMI-Gewinnern gehörten die Actelion-Titel mit 3,4 Prozent Plus. Händler führten Spekulationen ins Treffen, dass Johnson & Johnson vor oder gleichzeitig mit der Bekanntgabe des Jahresergebnisses am Dienstag die Übernahme der Biotechnologiefirma ankündigen könnte. Die beiden Firmen verhandeln über eine Transaktion. Der Rückschlag mit dem Lungenmedikament Macitentan, über den Actelion informierte, hatte dagegen kaum Einfluss auf den Kurs, wie es hiess. Eine Studie zur Ermittlung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit des Medikaments bei Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) infolge Eisenmenger-Syndrom verfehlte das primäre Ziel.

Die Aktien zyklischer Firmen waren mehrheitlich schwächer. ABB und Swatch wurden um etwa ein halbes Prozent tiefer bewertet. Die Aktien von Swatch-Rivale Richemont dagegen stiegen um 0,1 Prozent.

Am breiten Markt fielen Interroll mit 2,9 Prozent Kursgewinn auf. Die auf Fördertechnik und Logistik spezialisierte Firma hat 2016 erneut ein Rekordergebnis erzielt.

Die Anteile von U-Blox schossen fast zehn Prozent nach oben. Analysten sehen in der Übernahme der chinesischen Firma SIMCom Wireless einen strategisch guten Schritt.

Die Arbonia-Aktien sackten 4,1 Prozent ab. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem der Kurs in der vergangenen Woche kräftig gestiegen war.

(Reuters)