Aktien SchweizNullsummenspiel im SMI

Die Schweizer Börse ist am Mittwoch an Ort getreten. Die Aktien aus dem Finanzbereich standen stark unter Druck, Kursgewinne der schwergewichtigen Nestlé-Aktien fingen den Rückgang auf.
08.02.2017 17:45
Hält den SMI am Mittwoch «über Wasser»: die Nestlé-Aktie.
Hält den SMI am Mittwoch «über Wasser»: die Nestlé-Aktie.
Bild: Bloomberg

Zunächst hatten gute Firmenbilanzen aus dem In- und Ausland für eine gute Stimmung unter den Anlegern gesorgt. Im Sog sinkender Kurse an der Wall Street kam es laut Händlern aber zu Gewinnmitnahmen. Der SMI steht zum Börsenschluss bei 8378 Punkten um 0,1 Prozent höher als am Vortag. Am Dienstag war der Leitindex um 0,5 Prozent gestiegen.

Händler sagen, die Unsicherheit über die Zukunft Europas habe die Stimmung eingetrübt. "Schuldenkrise in Griechenland, Wahlen in Frankreich und den Niederlanden und möglicherweise auch im hoch verschuldeten Italien sind der Stoff, aus dem die Angst genährt wird", sagt ein Händler. Sollte es bei den Wahlen zu weiteren anti-europäischen Richtungswechseln kommen, wachse die Gefahr des Auseinanderbrechens er Euro-Zone, heisst es am Markt. Die Anleger flüchteten daher aus den risikoreicheren Anlagen in die sicheren Häfen wie Staatsanleihen und den Franken.

Bankaktien tauchen

Die Flucht in sichere Anleihen drücke die Zinsen, was sich negativ auf die Bankaktien auswirke. Zudem sorgte auch das Gespenst einer Euro-Krise für Furcht bei den Bankaktienanlegern. Die Titel der Grossbank Credit Suisse fallen um 2,8 Prozent. Händler sagen, auch Spekulationen im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang des Schweizer Geschäfts der CS lasteten auf dem Kurs.

Die Anteile der Rivalin UBS fallen mit minus 0,3 Prozent deutlich weniger und halten sich auch besser als der Bankaktienindex, der 1,7 Prozent nachgibt.

Die Anteile der Bank Vontobel sacken um 5,2 Prozent ab. Der Vermögensverwalter hat den Gewinn 2016 zwar gesteigert und will auch mehr Dividende ausrichten. Aber beim Neugeld harze es, schreibt die ZKB. Händler kritisieren auch den sehr vorsichtigen Ausblick.

Die Versicherungsaktien büssen mehrheitlich an Wert ein. Zurich Insurance sinken am Tag vor der Bilanzvorlage um 0,3 Prozent. Analysten erwarten ein kräftiges Gewinnplus.

Defensive Werte gefragt

Neben Nestlé (+1,7 Prozent) waren unter den Standardwerten auch die Titel der als eher defensiv eingestuften Givaudan gefragt. Der Aromenhersteller legt 1,1 Prozent zu.

Die Aktien von Syngenta ziehen nach der Bilanzvorlage um 1,1 Prozent an. "Die Zahlen sind eigentlich unter den Erwartungen", sagt ein Händler. Aber diese spielten angesichts der geplanten Übernahme durch Chem China ohnehin keine allzu wichtige Rolle. Viel wichtiger sei, dass die Übernahme durch Chem China wie geplant vorankomme. Der Agrochemiekonzern rechnet nicht mit einer weiteren Verzögerung. Die für den Deal ausschlaggebenden Genehmigungsprozesse in den USA und der EU machten gute Fortschritte, sagte CEO Erik Fyrwald am Mittwoch zur Nachrichtenagentur Reuters. Syngenta geht von einem Abschluss der Transaktion im zweiten Quartal dieses Jahres aus.

Gefragt waren auch Swisscom, die um 1,4 Prozent höher gehandelt wurden. Der Telekomkonzern hat dank Sondereffekten und Sparrunden den Gewinn deutlich gesteigert und will eine unveränderte Dividende von 22 Franken je Aktie ausschütten. "Swisscom konnte die Erwartungen mehr als nur erfüllen", schreibt ZKB-Analyst Andreas Müller.

ABB nach Bilanzzahlen im Verkauf

Dagegen büssen die Anteile von ABB 3,4 Prozent ein. Der Elektrotechnikkonzern hat seinen Auftragsschwund im vierten Quartal vorerst gestoppt. Der Nettogewinn konnte sich auf 489 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Dennoch blieb das Unternehmen beim Überschuss deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück. ABB habe an mehreren Fronten mit Problemen zu kämpfen, schreibt Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. 2017 sei ein Übergangsjahr.

Die Anteile der als krisenresistent geltenden Pharmawerte gehen unterschiedliche Richtungen: Während Novartis-Aktien 0,2 Prozent zulegen, verlieren die Genussscheine von Roche 0,5 Prozent.

Bei den meist schwächeren Papieren zyklischer Firmen sind Clariant dank einer Kurszielerhöhung von Kepler Cheuvreux etwas höher. Adecco sacken hingegen nach einer Verkaufsempfehlung von Jefferies um 2 Prozent ab. Die Anteile der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch büssen um 1 Prozent ein.

Gesuchte KMU-Titel

Nach wie vor gute Nachfrage verzeichnen die Aktien kleiner und mittelgrosser Firmen. Bossard, Bobst, Bachem und Dorma-Kaba erreichten neue Höchstwerte. Dagegen trennten sich die Investoren von Immobilienfonds.

Die Anteile der Glarner Kantonalbank steigen um 0,6 Prozent. Die Bank will nach einem guten Geschäftsjahr die Dividende um zehn auf 80 Rappen je Aktie erhöhen.

(Reuters)