Regulierung - Vermögensverwalter werden deutlich weniger für Research ausgeben

Die EU will künftig die Handelsprovisionen von Privatbanken und Fondsgesellschaften von der Finanzierung des Anlage-Research trennen. Das heisst für die Vermögensverwalter vor allem: Sparen.
18.03.2017 10:31
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Bild: cash

Vermögensverwalter in Europa und den USA werden voraussichtlich ihre Research-Budgets um mehr als 300 Millionen Dollar kürzen. Sie tun dies mit Blick auf Regulierungen, die Interessenkonflikte im Markt für Investment-Information ausmerzen sollen. Das ergab eine Umfrage unter 99 Fondsmanagern und Händlern, die von der Beratungsgesellschaft Greenwich Associates durchgeführt wurde.

Die Studie will Veränderungen einschätzten, die im kommenden Jahr auf den mehrere Milliarden Dollar schweren Markt für Investment Research zukommen. Die MiFID II-Verordnungen der Europäischen Union verpflichten Vermögensverwalter, Handelsprovisionen von Zahlungen für Investment Research zu trennen. Sie werden eine "eindeutig negative" Auswirkung auf das Volumen der für Analysen und Beratungsdienstleistungen ausgegebenen Provisionsgelder haben, schreibt die Gesellschaft aus Stamford in Connecticut in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Zwar werden die Budget-Kürzungen bei einzelnen Vermögensverwaltern "relativ moderat" ausfallen. Jedoch befürchten Research-Anbieter durchgängig, dass das neue Gesetz zu einem "erheblichen Rückgang" der Ausgaben auf der Buy-Side führen wird.

Interessenkonflikte vermeiden

Die Ergebnisse entsprechen einem Rückgang von sieben Prozent bei den von europäischen Institutionen ausgegebenen gesamten Provisionen und einem Rückgang von fünf Prozent bei US-Häusern. Diese Reduzierungen würden zu einem Rückgang von fast 200 Millionen Dollar der ausgegebenen US-Research-Provisionen und einem Rückgang von mehr als 100 Millionen Euro in Europe beitragen.

Die im Januar in Kraft tretenden MiFID-II- Vorschriften wollen Interessenkonflikte zwischen Verwaltern und Brokern begrenzen und verhindern, dass Verwalter die Research-Kosten an ihre Kunden weitergeben. "Die Überlegung hinter der MiFID-II-Direktive ist, dass, wenn Vermögensverwalter Kundengeld zur Bezahlung von Research nutzen, sie möglicherweise kein verantwortungsvoller Käufer sind", schreibt Greenwich in dem Bericht. "Des weiteren sollte das Streben der Handelsabteilung nach der besten Ausführung nicht von der Bereitstellung von Research beeinflusst werden."

Zwar gelten die Vorschriften für die 28 EU-Staaten. Aber auch US-Vermögensverwalter mit erheblichem Geschäft in Grossbritannien und Kontinental-Europa bereiten sich auf Veränderungen vor und entscheiden, ob sie globale Standards anpassen. Etwa 43 Prozent der US-Befragen in der Greenwich-Umfrage planen, globale Veränderungen bei ihren Research-Praktiken vorzunehmen, während der Rest warten will, um die Auswirkung der EU-Vorschriften einschätzen zu können.

Zahl der Broker wird begrenzt

Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer in den USA und fast drei Viertel in Europa erwarten, dass die Vorschriften zu einer Reduzierung der Geschäftspartner-Liste für Research und Beratungsdienste führen werden. Und 40 Prozent der US-Befragten und mehr als 50 Prozent der europäischen Teilnehmer erwarten, dass sie die Zahl der Broker, mit denen sie handeln, begrenzen werden.

Aus der Umfrage ging auch hervor, dass die Gesellschaften nur langsam die Finanzierung für Research ändern werden. Laut Vorschrift können Vermögensverwalter das Research entweder aus eigenen Gewinnen oder Verlusten selbst bestreiten, oder über separate Konten den Kunden in Rechnung stellen, so Greenwich. Die meisten europäischen Verwalter sagten, dass sie erwarten, in fünf Jahren hauptsächlich das Research selbst zu finanzieren. Dies wäre eine erhebliche Änderung gegenüber der aktuellen Praxis.

"Das signalisiert, dass MiFID II den Verwaltern zwar die Verwendung von Kunden-Provisionen erlaubt, europäische Firmen jedoch hoffen, in Richtung von Selbst-Zahlungen zu gehen", sagt Greenwich.

(Bloomberg/cash)