Forschende entdecken Riesenplanet bei einem kleinen Stern

Kleine Sterne haben kleine Planeten - davon gingen Astronomen bisher aus. Ein für seinen relativ kleinen Stern riesiger Planet wirft nun neues Licht auf die Mechanismen der Planetenentstehung.
31.10.2017 12:06

600 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist ein Gasriese in der Grösse des Jupiter einen Sternenzwerg, der nur halb so gross ist wie unsere Sonne. Der Exoplanet NGTS-1b ist damit im Vergleich zu seinem Stern der grösste Planet, der je entdeckt wurde, wie die Universität Genf am Dienstag mitteilte. Davon berichtet ein internationales Forscherteam mit Genfer Beteiligung in einem Fachartikel, der in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" erscheinen soll.

Die Entdeckung gelang unter der Leitung der University of Warwick mit einem neuen Instrument, dem Next Generation Transit Survey (NGTS). Dieses ist seit einem Jahr in Chile in Betrieb. Das an der Uni Genf entwickelte Observatorium besteht aus zwölf robotergesteuerten Teleskopen, die das All nach Exoplaneten absuchen. Genauer gesagt: nach "Mini-Sonnenfinsternissen" ("Transits" genannt), wenn ein Planet aus dem Blickwinkel der Erde vor seinem Stern vorbeizieht.

"Das ist der erste Exoplanet, den wir mit diesem Instrument entdeckt haben, und wir stellen schon die bisherigen Konzepte der Planetenbildung in Frage", sagte Studienerstautor Dan Bayliss von der Uni Genf gemäss der Mitteilung.

Bisher ging man davon aus, dass sich um so kleine Sterne nur kleine Gesteinsplaneten bilden und dass diese Sterne nicht genug Masse für Jupiter-grosse Planeten sammeln können. "Unsere nächste Herausforderung ist jetzt herauszufinden, wie häufig dieser Planetentyp ist", so Bayliss weiter.

Der Stern, um den der neu entdeckte Exoplanet kreist, gehört zum häufigsten Sternentyp in unserer "Nachbarschaft" im Universum: relativ klein und kühl, ähnlich wie TRAPPIST-1, dessen Entdeckung wegen seiner sieben Gesteinsplaneten mit möglicherweise lebensfreundlichen Bedingungen für Schlagzeilen sorgte.

Wissenschaftler vermuten mittlerweile, dass Planeten bei dieser Art von Stern häufig vorkommen. Weil die Sterne jedoch relativ schwach leuchten, sind ihre Planeten schwer zu entdecken.

(SDA)