Forscher auf den Spuren wandernder Schmetterlinge

Nicht nur Vögel ziehen im Herbst nach Süden, auch Insekten wandern. So zum Beispiel der Wanderschmetterling Admiral. Forscher der Uni Bern versuchen mithilfe von interessierten Freiwilligen, Wissenslücken über diesen Insektenzug zu schliessen.
19.10.2017 15:01

Insekten stellen Vögel bei Weitem in den Schatten, wenn es um die jahreszeitliche Wanderung geht. Schätzungen zufolge ziehen 2,1 Billionen Zugvögel jeden Herbst nach Afrika. Allein über Südengland wandern jährlich 3,5 Trillionen Insekten hinweg, schreibt der Biologe Marco Thoma von der Uni Bern in den Online-News "Uni aktuell" seiner Hochschule.

Beim Insektenzug verschiebt sich ein gewaltiger Teil Biomasse. Und nicht zuletzt das, was die Insekten zum Ökosystem beitragen - sei es als Bestäuber, Pflanzenfresser oder Nahrungsquelle für andere Tiere. Trotz der gewaltigen Dimension des Insektenzugs klaffen im Wissen darüber nach wie vor Lücken. Ein Problem: Insekten kann man nicht so wie Vögel mit einem Sender ausstatten.

Einige Wissenslücken hoffen Thoma und Kollegen dennoch mit einem Projekt zu schliessen, das auf die Wanderung eines Schmetterlings fokussiert - des Admiral, Vanessa atalanta. Er und seine Kollegen sind dabei auf die Hilfe interessierter Freiwilliger angewiesen, die ihre Beobachtungen des Falters online melden. Rund 200'000 Beobachtungen aus ganz Europa sind bereits gemeldet worden. Allein in den letzten Tagen gingen über das Schweizer Portal ornitho.ch Hunderte Meldungen ein.

Wie jeden Herbst ziehen dieser Tage Millionen der Falter Richtung Süden - Zehn- bis Hunderttausende durchquerten auch die Schweiz. Im Süden pflanzt sich der Schmetterling fort, seine Nachkommen ziehen im Frühjahr dann wieder nach Norden. Ein solches Phänomen nennt man "Generationenwanderung", schreibt Thoma.

Dank der Daten aus dem "Citizen Science"-Projekt können die Forscher das räumliche und zeitliche Auftreten des Falters im Jahresverlauf und seine Wanderung nachvollziehen. Zudem ermitteln sie die Herkunft der Schmetterlinge durch chemische Untersuchungen des Flügelchitins und führen Markier-Versuche durch.

Ähnlich wie die Zugvögel fliegt der Admiral gezielt Alpenpässe an, um bei der Alpenüberquerung Energie zu sparen. Das konnten die Forscher bei einem Markier-Versuch im Herbst 2016 nachweisen, bei dem sie am Col de la Croix und am Col de Bretolet rund 7000 Admirale mit Netzen einfingen, mit Farbe markierten und wieder freiliessen. Anschliessend untersuchten sie, wann und wo die markierten Schmetterlinge wieder auftauchten.

Wie sich dabei herausstellte, nutzen die Schmetterlinge die gleiche Route wie Zugvögel. Ausserdem ist der hübsche Falter dabei erstaunlich schnell unterwegs, mit über 20 Kilometern pro Stunde.

Bei schönem Wetter wagt sich der Admiral aber auch in grössere Höhe, wie Daten von freiwilligen Beobachtern vom vergangenen Wochenende zeigten: Bei angenehmer Witterung wagte sich ein besonders tapferes Exemplar bis auf den Gipfel der Jungfrau und überflog diesen in einer Höhe von 4000 Metern über dem Meer.

(SDA)