Anleihe-Rendite steigt - Frankreich-Bonds zeigen gewisses Le-Pen-Risiko

Frankreichs Bondmarkt ist wohl auf der Hut vor einem Wahlsieg von Marine Le Pen. Aber dieser ist bei weitem nicht voll eingepreist.
12.02.2017 15:37
Marine Le Pen, Chefin des rechten Front National.
Marine Le Pen, Chefin des rechten Front National.
Bild: youtube

Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihen hat sich 2017 fast verdoppelt. Grund dafür ist Besorgnis, dass die Anti-Euro Präsidentschaftskandidatin des rechtspopulistischen Front National für einen weiteren politischen Schock bei den Wahlen in diesem Jahr sorgen könnte.

Die schlechtere Entwicklung der Papiere wurde nach der Wahl von Donald Trump deutlich. Sie verstärkte sich nach den Enthüllungen, dass Francois Fillon, der Kandidat der Konservativen, seiner Ehefrau eine Scheinbeschäftigung verschafft haben soll. Doch auch wenn der Markt eine grössere politische Risikoprämie einpreist, zeigen die Bondinvestoren kaum Symptome wirklicher Panik.

Zehnjährige französische Staatspapiere rentieren mit rund 1,10 Prozent nach historischen Massstäben weiterhin niedrig. Der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen ist mit etwa 70 Basispunkten zwar der höchste seit 2014, macht aber nur ein Drittel der Risikoprämie zum Höhepunkt der Finanzkrise aus.

"Das Le-Pen-Risiko ist etwas, das man nicht ignorieren kann, aber es gilt im Grossen und Ganzen noch immer als Extremereignis", sagte Mark Dowding, Partner und Co-Chef Investment-Grade-Anleihen bei BlueBay Asset Management in London. "Man preist hier rational ein politisches Risiko ein, denn wenn es eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent für eine Ausweitung des Spreads um 200 Basispunkte gibt, sollte das politische Risiko rund 40 Basispunkte ausmachen."

Rankings bleiben

"Die Rangfolge unter den Staatsanleihen des Euroraums ist weitgehend unverändert", sagte Luca Cazzulani, Zinsstratege bei UniCredit in Mailand. "Aber wenn man die Risiken und das Anziehen der Rendite bei unterschiedlichen Ländern abgleicht, erhält man Unterschiede. Die Ausweitung der französischen Renditespreads wird von Sorgen über das, was im Frühjahr um die Wahlen herum geschehen könnte, getrieben."

In der ersten Runde der französischen Wahlen am 23. April liegt Le Pen laut Umfragen an der Spitze. In den nachfolgenden Abstimmungen dürfte sie Stimmen verlieren. Auch könnte der Skandal um Fillon die Chancen eines Wahlsiegs von Le Pen verringern, wie die Umfragen weiter zeigen. Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron würde sich demnach eine höhere Unterstützung gegen die Rechtspopulistin sichern als Fillon.

(Bloomberg)