Frostnächte nach Ostern sind nicht aussergewöhnlich

In weiten Teilen der Schweiz sind die Temperaturen in der Nacht auf Mittwoch unter die Null-Grad-Grenze gerutscht. Auch die kommenden zwei Nächte werden frostig. Für Obst-, Gemüse- und Weinbauern ist die Lage kritisch.
19.04.2017 13:42

In der Nacht auf Mittwoch ist es nochmals richtig kalt geworden. Vor allem im westlichen Mittelland sanken die Temperaturen selbst in den tiefen Lagen teilweise unter null Grad.

Aussergewöhnlich sind Frostnächte um diese Jahreszeit nicht, wie Daniel Maurer von MeteoSchweiz auf Anfrage sagte. Weil die Temperaturen jedoch bereits im April teilweise auf sommerliche Werte kletterten, ist der Kälteeinbruch für viele stärker spürbar.

Besonders kalt wurde es im westlichen Mittelland und im Zentralwallis. In diesen Gebieten war die Nacht praktisch unbewölkt. Deshalb sanken die Temperaturen selbst in den tiefen Lagen mehrheitlich auf -1 bis -4 Grad. Zum Beispiel in Bern und Visp wurden zwei Meter über Boden Tiefstwerte von -2,7 Grad und -4,2 Grad gemessen.

Ausnahme war die Genferseeregion. Dank der Bise hielten sich die Temperaturen über der Null-Grad-Grenze. Auch im Tessin war es dank Nordwind warm. So zeigte das Thermometer in Lugano und Locarno auch in der Nacht noch 6 Grad an.

Im Flachland bildete sich vergangene Nacht auch Bodenfrost. In Bern und Visp wurden auf 5 Zentimeter über Boden -6,4 und -8,5 Grad gemessen. Und es wird noch kälter. Weil der Wind abstellt, fallen die Temperaturen in den kommenden zwei Nächten noch deutlicher unter Null. MeteoSchweiz werde deshalb eine Bodenfrostwarnung herausgeben, sagte der Experte.

Besonders für Obst-, Gemüse- und Weinbauern bringt der Temperatursturz schlaflose Nächte. Die Kulturen seien bereits weit fortgeschritten, sagte Georg Bregy vom Schweizer Obstverband auf Anfrage. Sobald die Temperaturen unter null Grad sänken, sei Obst gefährdet. Für sämtliche Arten würden derzeit Frostbekämpfungsmassnahmen vorbereitet.

Auch Reben seien in einem empfindlichen Stadium, sagte Hans Rüssli vom Schweizerischen Bauernverband. Je nach Region müssten sich die Bauern nun entsprechend vorbereiten. In den Seeregionen sei es zum Beispiel etwas wärmer, da Gewässer als Wärmespeicher dienten.

Doch die Bauern sind der Kälte nicht gänzlich ausgeliefert. So gibt es verschiedene Vorkehrungen, um das Obst, das Gemüse oder die Reben vor Frost zu schützen. Das Gemüse werde zum Beispiel überwiegend mit Fliess abgedeckt oder mit einem Kleintunnel geschützt - wie etwa bei Erdbeeren, sagte Rüssli.

Bei Obstkulturen oder beim Weinbau setzen die Bauern Ventilatoren oder Paraffinkerzen ein. Wenn die Luft bewegt werde, könne sich Frost nicht oder weniger stark festsetzen, erklärte Rüssli. Verbreitet sei auch das Bewässern der Baumkronen. Dadurch entstehe um die Äste ein Eispanzer. Unter diesem Eispanzer werde es nicht kälter als -1 Grad. Dies werde zum Beispiel im Wallis bei den Aprikosenanlagen so gehandhabt.

Selbst wenn ein Teil der Blüten abfriere, sei das noch nicht tragisch, relativierte Rüssli. Die Natur produziere Blüten im Übermass. Bereits im vergangenen Jahr war die Schweiz im April von starkem Frost betroffen. Dennoch sei die Obsternte im Herbst gut ausgefallen.

(SDA)