Für Frauendachverbände überwiegen die Vorteile der Rentenreform

Die Frauen zahlen einen hohen Preis für die Reform der Altersvorsorge. Trotz der Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre überwiegen für die grossen Frauendachverbände die Vorteile.
29.06.2017 16:05

Am Donnerstag haben alliance F, der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband, der Schweizerische Katholische Frauenbund und die Evangelischen Frauen Schweiz für ein Ja in der Abstimmung vom 24. September geworben.

Es gebe Elemente, die die Organisationen nicht begrüssten, sagte die Grüne Nationalrätin Maya Graf (BL) als Co-Präsidentin von alliance F. Neben dem höheren Frauenrentenalter erwähnte sie die Tatsache, dass der Koordinationsabzug nicht abgeschafft wird. Trotzdem setzten sich die Frauendachverbände aktiv für die Reform ein, da diese für Frauen nachweislich Vorteile mit sich bringe.

Barbara Schmid-Federer (CVP/ZH) vom Vorstand von alliance F nannte den tieferen Koordinationsabzug, von dem Teilzeitangestellte - also vor allem Frauen - profitierten. Die höhere AHV-Rente sei besonders wichtig für Frauen mit tiefen Einkommen, weil viele von ihnen keine Pensionskasse hätten. Nach Ansicht der Frauendachverbänden ist auch der flexible Alterstrücktritt zwischen 62 und 70 Jahren ein Vorteil, weil so fehlende Beitragsjahre nachgeholt werden können.

Schmid-Federer warnte auch, dass es bei einem Scheitern der Vorlage für alle Beteiligten viel teurer werde - besonders für die Frauen. Der AHV-Fonds würde schnell defizitär, später müsste ein Milliardenloch bei der AHV gestopft werden. "Die teuerste Variante zu dieser Rentenreform ist ein Nein", sagte sie.

Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, sprach von einem "machbaren Kompromiss". Eine noch höhere und gezielte Erhöhung der AHV-Renten wäre ihrer Meinung zwar wünschenswert gewesen. Das vom Parlament verabschiedete Paket sei aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Erhöhung des Frauenrentenalters um ein Jahr bringt der AHV rund 1,2 Milliarden Franken ein. Mit der Reform wird auch der Umwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt, was zu Rentenverlusten von 12 Prozent führt. Diese werden einerseits durch höhere Beiträge, andererseits durch einen AHV-Zuschlag von 70 Franken ausgeglichen.

Dem Reformpaket hatte im Parlament eine Koalition aus CVP, SP, BDP, Grünen und Grünliberalen zum Durchbruch verholfen. Auch die SP-Frauen und die Gewerkschaften unterstützen die Vorlage. Hinter den Frauendachverbänden, die die Reform unterstützen, stehen über eine halbe Million Mitglieder.

Auf der Gegenseite finden sich FDP und SVP, die im Abstimmungskampf von Gewerbe- und Arbeitgeberverband unterstützt werden. Aber auch linke Frauenorganisationen, insbesondere aus der Westschweiz, bekämpfen die Reform der Altersvorsorge.

(SDA)