Für Schneehasen wird es mit dem Klimawandel eng in den Alpen

Durch den Klimawandel werden die Lebensräume für den Schneehasen in den Schweizer Alpen kleiner. Damit dürften diese Tiere immer seltener werden, wie eine internationale Studie unter Schweizer Leitung nahelegt.
13.03.2018 12:35

Der Schneehase ist als ans Hochgebirge angepasste Art besonders stark vom Klimawandel betroffen. Wird es ihm zu warm, kann er wegen den schroffen Felswänden nur begrenzt in kühlere, höher gelegene Gefilde ausweichen.

Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der Universität Bern sowie der Universität für Bodenkultur in Wien haben errechnet, dass die Fläche an geeignetem Lebensraum für den Schneehasen (Lepus timidus) in der Schweiz bis ins Jahr 2100 im Mittel um ein Drittel schrumpfen wird. Der Lebensraum wird aber nicht nur kleiner, sondern auch stärker zerstückelt.

Dadurch sind die Scheehasenbestände weniger gut vernetzt, wie es in einer WSL-Mitteilung heisst. Dies kann wiederum zur genetischen Verarmung führen. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Zahl der Schneehasen zurückgehen wird, so das Fazit der Studie, die in der Fachzeitschrift "Global Change Biology" veröffentlicht wurde.

Das Forschungsteam untersuchte den Einfluss des Klimawandels auf die Verbreitung der Schneehasen in den Schweizer Alpen. Über 1000 Schneehasennachweise aus den Jahren 1990 bis 2013 flossen in die Studie ein.

Die Wissenschaftler modellierten auch die Lage und Ausdehnung der aktuellen sowie der zukünftigen geeigneten Lebensräume. Sie legten ihren Berechnungen verschiedene Klimaszenarien des Internationalen Klimarats IPCC zugrunde.

Ob ein Lebensraum sich für Schneehasen eignet, hängt hauptsächlich davon ab, ob die Tiere Nahrung finden, ob sie vor Räubern, Hitze, Kälte und menschlichen Störungen geschützt sind. Am stärksten beeinflussen gemäss der Studie die steigenden Temperaturen in der Fortpflanzungsperiode den Lebensraum, den die Hasen nutzen können.

Die Modellrechnungen ergaben einen Lebensraumverlust von 26 Prozent bei einem mittleren und 45 Prozent bei einem starken Erwärmungsszenario. Am grössten ist demnach der Verlust in den südlichen und nördlichen Voralpen. In den Zentralalpen fällt er geringer aus, aber auch hier schrumpft die Anzahl geeigneter Gebiete deutlich.

"Mit dem Verlust und der steigenden Zerstückelung der Lebensräume ist die Art zunehmend gefährdet", wird Erstautor Maik Rehnus von der Forschungsanstalt WSL in der Mitteilung zitiert. Die Studie habe wichtige Gebiete für die Vernetzung der Schneehasen in der Schweiz identifiziert, schreiben die Forschenden weiter.

Sie empfehlen ein nationales Schneehasen-Monitoring einzurichten. "Dies würde helfen, Wissenslücken über die regionalen Unterschiede in der Bestandesentwicklung und die Gefährdung der Art zu füllen", so Rehnus.

(SDA)