Fundus der SBB-Fundsachen gleicht einer Wundertüte

Rollstühle, Prothesen, Gebisse, Glasaugen, Hochzeitskleider oder Zauberausrüstungen: Bei den Fundsachen, die sich bei der SBB stapeln, ist die Bandbreite gross. Im vergangenen Jahr wurden über 127'000 Objekte zusammengetragen.
30.07.2017 11:00

Der Grossteil der Fundsachen sind von gewöhnlicher Natur. Unter den Top 10 befinden sich vor allem Kleidungssachen wie Mäntel, Jacken oder Mützen, Mobiltelefone, Koffer, Rucksäcke, Portemonnaies, Schlüssel oder Brillen, wie SBB-Sprecherin Donatella Del Vecchio auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Auch grössere Geldbeträge würden hin und wieder liegengelassen, sagte die Sprecherin, ohne eine Summe nennen zu können. Das wertvollste Objekt, das je im Fundservice der SBB gelandet ist, war eine berühmte Stradivari-Violine im Wert von mehreren Millionen Franken.

Dieses Instrument hatte ein Geiger 2012 im Zug zwischen Bern und Thun vergessen. Die Unaufmerksamkeit gab damals über die Grenzen der Schweiz hinaus zu reden.

In den letzten Jahren verzeichnete die SBB einen Anstieg der Fundsachen. Grund sind die immer grösser werdenden Passagierzahlen. Letztes Jahr verzeichnete die SBB mit 127'000 Fundsachen einen neuen Höchstwert.

Vor allem die Zahl der Kleidungsstücke liess die Statistik im Jahr 2016 explodieren. Grund dafür seien stets wechselnde Wetterbedingungen, heisst es bei der SBB. 2015 waren 112'000 Objekte gefunden und gelagert worden, 2014 waren es 110'000 Sachen gewesen.

Von den letztes Jahr gefundenen 127'000 Objekten konnten 66'000 an ihre Besitzer zurückgegeben werden. Dies entspricht einer Quote von 52,3 Prozent. 2002 hatte die Rückgabequote 30 Prozent betragen. Dieser Wert variiert je nach Objektart. Von den 14'000 Mobiltelefonen, die 2015 gesammelt wurden, fanden 68 Prozent den Weg zurück zu ihren Besitzern oder Besitzerinnen.

Mit einer Rückgabequote von 82 Prozent weisen die Portemonnaies einen noch höheren Wert auf. Bei den Mänteln oder Jacken dagegen gehen nur gerade 36 Prozent zurück an ihre Besitzer. Es ist oft schwierig solche Kleidungsstücke zurückzugeben, da die meisten Besitzer weder Marke noch Grösse ihres verlorenen Mantels oder ihrer Jacke wissen.

Und wohin gehen die Fundsachen, die den Weg zu ihren Besitzern nicht mehr zurückfinden? Seit 2005 beauftragt die SBB das spezialisierte Unternehmen Fundsachenverkauf.ch mit der Veräusserung der Ware. Sachen, die weniger als 50 Franken wert sind, werden nach einem Monat zum Verkauf freigegeben, teurere Objekte nach drei Monaten.

Die SBB liefert dem Unternehmen zwischen 5000 und 6000 Objekte pro Monat ab. Diese Zahl müsse mit zehn multipliziert werden, denn die Koffer oder Rucksäcke wiesen oftmals noch einen Inhalt mit weiteren Sachen auf, sagte Roland Widmer, der Leiter der Firma Fundsachenverkauf.ch.

Die Firma zahlt der SBB einen fixen Betrag sowie einen gewissen Prozentsatz aus dem Erlös. Über die genauen Zahlen machen weder die Firma noch die SBB Angaben. Die Erlöse würden den Aufwand nur zu einem kleinen Teil decken, heisst es bei der SBB lediglich.

Unter den derzeit bei Fundsachenverkauf.ch angebotenen Artikeln finden sich einige wertvolle Stücke: eine aus Weissgold gefertigte Piaget-Uhr mit einem Wert von 37'000 Franken, eine Rolex aus Rotgold im Wert von 33'200 Franken oder eine Cartier-Uhr, die für 29'800 Franken zu haben ist.

Damit könne man aber kein Vermögen machen, sagt der Direktor von Fundsacheverkauf.ch. Solche Objekte seien sehr rar und würden nur zwischen zwei bis vier Mal pro Jahr in den Verkauf kommen.

Neben Kunden, die ein Schnäppchen suchen, würden auch viele ehemalige Besitzer bei Fundsachenverkauf.ch nach ihren verlorenen Sachen suchen. Falls Personen innerhalb eines Jahres nach dem Verlust nachweisen können, dass das angebotene Objekt ihnen gehört hatte, bekommen sie es zurück. Wurde es inzwischen verkauft, bekommen die früheren Besitzer die Verkaufssumme zurück.

Viele wertvolle Sachen finden aber jahrelang keinen Käufer oder keine Käuferin. Roland Widmer von Fundsachenverkauf.ch erwähnt beispielsweise ein neues Hochzeitskleid, eine Urne, eine Kaminfegerbürste oder Gallensteine aus dem Jahre 1966.

Spielsachen oder Teddybären werden einer Institution für Kinder aus dem Tibet weitergegeben. Andere Sachen werden recykliert oder wandern direkt in den Abfall. Zwei bis vier Abfallcontainer werden so pro Woche gefüllt.

(SDA)