Gamescom - Angela Merkel würdigt innovative Kraft der Spielebranche

Nicht immer werden digitale Spiele von Politikern so wohlwollend bedacht worden wie in diesen Tagen. Der Gamescom in Köln erweist in diesem Jahr sogar die deutsche Bundeskanzlerin Merkel ihre Reverenz und hebt die Bedeutung der Branche hervor.
22.08.2017 19:30

Die Spielemesse Gamescom in Deutschland steht im "Fadenkreuz" der Politik. Doch anders als noch vor rund zehn Jahren geht es nicht mehr darum, böse "Ballerspiele" zu brandmarken.

Politiker anerkennen zunehmend die Spielebranche als Wirtschaftsfaktor und sehen auch die gesellschaftliche und innovative Kraft der Games selbst.

Erstmals eröffnete deshalb die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag offiziell die Spielemesse und strich dabei explizit die Bedeutung digitaler Spiele heraus. Sie seien "Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrösster Bedeutung", sagte die Kanzlerin. Die Branche bezeichnete sie als starken Pfeiler der Wirtschaft. "Deshalb bin ich auch nach Köln gekommen, um der Branche meine Reverenz zu erweisen." Bis zum Samstag wird sich in den Messehallen sowie verteilt in der Domstadt alles rund ums Spielen drehen. Rund 350'000 Fach- und Privatbesucher werden erwartet.

Die Wünsche der Branche stiessen bei Merkel auf offene Ohren. Es gebe bereits eine ganze Reihe von Förderprogrammen, die Spieleentwickler nutzen könnten. "Wir sind aber nicht Spitzenreiter." Deshalb wolle sich die deutsche Regierung ganz genau anschauen, was etwa das Gamescom-Partnerland Kanada oder auch Frankreich und Polen machen, deren Förderungskonzepte als vorbildlich gelten. "Wir wollen in der nächsten Legislaturperiode alle Akteure zusammenbringen, um auch den deutschen Entwicklern vernünftige Möglichkeiten zu bieten." Sie werde auf jeden Fall die Entwicklung weiter verfolgen - "und mal sehen, was passiert, vielleicht auch weiter mitgestalten".

Bei ihrem Messe-Rundgang outete sich die Kanzlerin zwar wie erwartet nicht als heimliche "Zockerin", doch zeigte sie grosses Interesse an den Entwicklungen. Besonderes Augenmerk richtete sie etwa auf Virtual Reality-Anwendungen sowie eine naturwissenschaftliche Simulation, bei dem Nutzer mit chemischen Elementen experimentieren können.

Ihr persönlicher Zugang dürfte rein pädagogischer Natur sein. So zitierte sie in ihrer Eröffnung den deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel mit dem Satz "Die Quelle alles Guten liegt im Spiel." Der Gamescom gab sie in diesem Zusammenhang den Wunsch mit auf den Weg, dass ihre Quelle dementsprechend besonders sprudeln solle.

Derweil dürften sich die Messehallen in Köln am Mittwoch nach Einlass der privaten Fans wieder fluten. Legendär sind dunkle und dröhnende Hallen, ein bunter, mit phantasievollen Kostümen geschmückten Cos-Playern gesprenkelter Besucherstrom sowie viel blinkende Bildschirme noch immer. Die Gamescom ist noch bis Samstag geöffnet. Alle grossen Publisher sind mit neuen Spieletiteln vertreten, darunter zahlreiche Serien-Erfolge.

(SDA)