Gedenkstätten wehren sich gegen "Pokémon"-Jäger

Spieler der neuen App "Pokémon Go" zücken auch in Gedenkstätten in den USA ihre Smartphones, um nach den kleinen Monster-Figuren Ausschau zu halten. Mehrere Einrichtungen haben Spieler nun dazu aufgerufen, dies sein zu lassen.
13.07.2016 06:33

So forderte der Arlington-Ehrenfriedhof in Washington die Besucher bei Twitter auf, auf das Spielen zu verzichten, weil es unangemessen sei. Auch das Holocaust-Museum in der US-Hauptstadt appellierte an die Besucher, respektvoll beim Einsatz von Technik zu sein. Man versuche, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen, erklärte ein Sprecher dem Sender NPR am späten Dienstag.

Bei der App sind "Pokémon"-Figuren an diversen Orten platziert, ein Spieler muss in der Nähe sein, um sie auf dem Smartphone-Bildschirm zu sehen und fangen zu können. Die Entwickler - Nintendos Pokémon Company und die Spielefirma Niantic Labs - geben die Möglichkeit, unangemessene Orte zu melden.

Niantic - damals noch als Google-Tochter - hatte im vergangenen Jahr schon ähnlichen Ärger in Deutschland. In dem ebenfalls ortsbasierten Spiel "Ingress" wurden einiger der Portale, um die Nutzer kämpfen müssen, bei ehemaligen Nazi-Konzentrationslagern platziert. Nach Kritik wurden sie schnell aus der Nähe der Gedenkstätten entfernt. "Pokémon Go" greift auch auf Datenbanken von "Ingress" zurück.

Unterdessen meldete die Polizei der A&M University in Texas auch einen Auffahr-Unfall im Zusammenhang mit dem Spiel. Ein Fahrer stellte seinen Wagen regelwidrig ab, um auszusteigen und ein Pokémon zu fangen, wie die Polizei bei Twitter erklärte. Ein anderes Auto fuhr von hinten auf.

In einem Update der Spiele-App wurden derweil am Dienstag die übermässigen Zugriffsrechte auf Google-Profile wieder eingeschränkt. Am Vortag war herausgekommen, dass das Spiel bei der Anmeldung mit Google den Zugriff auf alle Inhalte der Konten anfragte.

Die App-Entwickler von der Firma Niantic Labs erklärten, das gehe auf einen Fehler zurück und es seien nie andere Informationen als Nutzername und E-Mail-Adresse abgerufen worden. Unklar blieb auch, welche Daten die App von Google überhaupt bekommen hätte. Der Datenschutz-Schnitzer hatte dennoch Kritik ausgelöst.

Der in Datenschutz-Belangen sehr aktive US-Senator Al Franken forderte von den Machern der App ausführliche Informationen an. Er will wissen, welche Daten erhoben werden und was damit geschehe. Dabei geht es auch um die Frage, mit wem die Informationen geteilt werden könnten.

(SDA)