Geschlechtskrankheiten nehmen trotz Kampagne teilweise massiv zu

In der Schweiz nehmen Geschlechtskrankheiten trotz einer grossangelegten Kampagne der Gesundheitsbehörden teilweise massiv zu. Dabei hatte der Bund 2011 angekündigt, dass die Zahl der Ansteckungen mit sexuell übertragbaren Krankheiten bis 2017 halbiert werden soll.
27.01.2017 09:15

Die Präventionsbemühungen sind aber nach Einschätzung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) trotzdem nicht gescheitert. Denn beim Aids-Virus HIV, der sexuell übertragbaren Infektion mit den schwerwiegendsten Folgen, ist die Anzahl neuer Fälle mit 556 gegenüber 552 im Vorjahr stabil, wie BAG-Sprecher Adrien Kay der Nachrichtenagentur sda sagte.

Im laufenden Jahr soll die Love-Life-Kampagne weiter geführt werden. Ungefähr zwei Millionen Franken werden pro Jahr in die Prävention gesteckt. Bei einer Person, die eine HIV-Diagnose erhält, gehen die Gesundheitsbehörden vergleichsweise von Life-Time-Behandlungskosten von rund einer Million Franken zu Lasten der Krankenversicherung aus.

Besonders stark angestiegen sind im vergangenen Jahr die Fälle von Gonorrhoe, dem Tripper. Sie stiegen um über einen Viertel auf fast 2500 Fälle an. Dabei war 2014 erstmals seit der Wiedereinführung der Meldepflicht 2006 noch ein Rückgang um vier Prozent festgestellt worden. Bei Syphilis wurde sogar nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen wieder ein Anstieg beobachtet und zwar um 11,5 Prozent. 1176 Fälle wurden letztes Jahr gemeldet.

Bei der in der Schweiz und auch in Europa am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Infektion, Chlamydiose, betrug der Anstieg rund 8,5 Prozent auf etwas über 11'000 Fälle.

Die Zahl der Chlamydiose-Fälle steigt seit Jahren an. Die Zunahme der Geschlechtskrankheiten ist nach Einschätzung des BAG zum Teil auch auf neue Tests sowie eine erhöhte Sensibilisierung der Ärzte zurückzuführen.

Erst im vergangenen Herbst hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hingewiesen, dass die weltweit verbreiteten Geschlechtskrankheiten Gonorrhoe, Syphilis und Chlamydiose immer schwerer zu bekämpfen sind. Die Bakterien, die sie auslösen, seien in wachsendem Masse resistent gegenüber Antibiotika.

Als Hauptgrund wurde angegeben, dass Medikamente oft fehlerhaft oder zu häufig angewandt wurden. Die stärkste Resistenz hatten die Erreger der Gonorrhoe (Tripper) entwickelt, mit denen sich weltweit jährlich 78 Millionen Menschen infizieren. So wurden Gonorrhoe-Stämme entdeckt, die auf keine der zur Verfügung stehenden Antibiotika mehr reagieren. Nach Auskunft des BAG sind die Antibiotika-Resistenzen bei Gonorrhoe in der Schweiz aber im Moment soweit unter Kontrolle.

In die Love-Live-Kampagne des BAG waren 2011 auch Schutzbotschaften für andere sexuell übertragbare Krankheiten integriert worden. Zusätzlich zu den bestehenden Safer-Sex-Regeln wie Eindringen immer mit Gummi und Sperma und Blut nicht in den Mund wurde eine dritte Regel formuliert: Bei Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder anderen Beschwerden im Genitalbereich sofort zum Arzt respektive zur Ärztin.

So sollten Infektionen möglichst rasch entdeckt und behandelt werden können. Um auch sexuell übertragbare Krankheiten ohne Symptome zu entdecken, wurde zudem die Information der Sexualpartner bei der Diagnose von Geschlechtskrankheiten thematisiert. Denn die Partnerbehandlung sei in einem solchen Fall wichtig.

(SDA)