Geschworene im Cosby-Prozess vertagen ihre Beratungen auf Mittwoch

Im Missbrauchsprozess gegen die US-Fernsehlegende Bill Cosby haben sich die zwölf Geschworenen auch am zweiten Tag ihrer Beratungen nicht auf ein Urteil einigen können. Die sieben Männer und fünf Frauen der Jury vertagten ihre Beratungen auf Mittwoch.
14.06.2017 05:27

Das teilte das Gericht in Norristown im Bundesstaat Pennsylvania am Dienstagabend mit. Dem 79-jährigen Cosby drohen bei einem Schuldspruch bis zu 30 Jahre Haft sowie eine hohe Geldstrafe.

Cosby ist wegen dreifacher sexueller Nötigung angeklagt; jeder dieser Anklagepunkte kann mit einer Höchststrafe von zehn Jahren belegt werden. Richter Steven O'Neill könnte Cosby diese Haftstrafen aber gleichzeitig absitzen lassen und so auch insgesamt zehn Jahre Haft verhängen.

Trotz 15-stündiger Beratungen über zwei Tage konnten sich die Geschworenen aber noch nicht darauf einigen, ob Cosby schuldig ist oder nicht. Die Jury will nun am Mittwochmorgen wieder zusammenkommen.

In ihrem Abschlussplädoyer am Montag hatte die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Frau in Zweifel gezogen, die dem Schauspieler vorwirft, sie sexuell missbraucht zu haben. "Lassen Sie nicht zu, dass sie sich als Opfer bezeichnet", sagte Cosbys Anwalt Brian McMonagle zu den Geschworenen.

Cosby selbst hat in dem Strafprozess nicht ausgesagt. Zwischenzeitlich hatte es Spekulationen gegeben, dass der 79-Jährige entgegen früherer Ankündigungen vielleicht doch in den Zeugenstand treten könnte. Er entging damit zwar einem Kreuzverhör, verzichtete aber auch auf die Chance, der Jury selbst seine Sicht der Dinge vorzutragen.

Sein Verteidiger hob angebliche Widersprüche in den Aussagen von Andrea Constand hervor, die Cosby beschuldigt, sie im Jahr 2004 in seinem Haus nahe Philadelphia mit Tabletten betäubt und sich anschliessend an ihr vergangen zu haben. Constand hatte anfangs abweichende Angaben zum Datum des Vorfalls und zu den vorhergehenden und nachfolgenden Ereignissen gemacht.

Insgesamt wird der Schauspieler von rund 60 Frauen beschuldigt, sich in früheren Jahrzehnten an ihnen vergangen zu haben. Da die meisten Anschuldigungen aber verjährt sind, beschränkt sich der Strafprozess in Norristown auf einen einzigen Fall. Am Montag sass erstmals auch Cosbys Ehefrau Camille unter den Zuschauern im Gerichtssaal. Das Paar ist seit 53 Jahren verheiratet.

(SDA)