Unternehmensgewinne - Europäische Firmen auf der Überholspur

Das Wachstum der Unternehmensgewinne in Europa liegt derzeit erstmals seit rund 18 Monaten über dem von Unternehmen in den USA. Prognosen stellen die Fortsetzung dieses Trends für 2017 in Aussicht.
11.03.2017 13:25
Paris, eines der grössten Finanzzentren Europas.
Paris, eines der grössten Finanzzentren Europas.
Bild: pixabay.com

Gegen Ende der Berichtssaison zum vierten Quartal haben sich die Gewinne der Unternehmen im breiten Stoxx 600 insgesamt zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent erhöht und damit so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Im US-Aktienindex S&P 500 gab es ein Gewinnwachstum von fünf Prozent, wie aus Daten von JPMorgan Chase & Co. hervorgeht.

Die Erwartung einer weiter stärkeren Gewinnentwicklung in Europa zu den USA wird vornehmlich begründet mit den Effekten des schwachen Euro, wieder anziehenden Rohstoffnotierungen und einer weiteren Erholung des stark belasteten Bankensektors.

Emmanuel Cau, Aktienstratege von JPMorgan, kann eine anhaltende Erholung bei den Gewinnen erkennen, denn Banken, Rohstofftitel und auch die Datenlage signalisieren eine Beschleunigung der Wirtschaftsentwicklung. "Die Basis ist niedrig, denn die Gewinne in der Eurozone sind aus historischer Sicht immer noch ziemlich niedrig, haben aber die Erholung bereits eingeleitet", sagt er.

Die Gewinne von Unternehmen aus dem Finanzsektor hätten in den letzten Jahren den Gesamtmarkt gebremst. In den letzten drei Monaten gebe es gerade hier die meisten Prognoseanhebungen, einhergehend mit steigenden Anleiherenditen und der Beschleunigung beim Kreditwachstum.

Ein starkes Signal für Aktien

Es gibt weitere Hinweise, dass die robusten Gewinne des vierten Quartals sich weiter erhöhen könnten und auf insgesamt bessere Zeiten deuten. In der Tat folgen die erhöhten Gewinnprognosen in ihrer Richtung den vorgelegten Gewinnen, womit ein typisches Muster von Prognosesenkungen zu einem solchen Zeitpunkt gebrochen wird, wie aus den JPMorgan-Daten auch hervorging.

Die Gewinnprognosen sind demnach insgesamt um ein Prozent gewachsen, und zwar insbesondere bei Zyklikern wie etwa Minenbetreibern. Davon abweichend sind die Prognosen für US-Unternehmen im gleichen Zeitraum um 1,7 Prozent gesenkt worden.

Wie Strategen der Bank of America Merrill Lynch herausstellen, ist das Verhältnis zwischen erhöhten und gesenkten Konsens-Gewinnprognosen bei europäischen Unternehmen in den letzten drei Monaten mit 1,02 ermittelt worden. Jeder Wert über der Parität, hiess es von den Strategen, ist aus historischer Sicht ein starkes Signal für die Aktien der Region.

Europa mit Aufholpotenzial

Mangelndes Gewinnwachstum war in den vergangenen Jahren der Hauptgrund für die im Vergleich zur Wall Street unterdurchschnittlichen Entwicklung an den Europabörsen, wie Aktienstrategen um Dennis Jose von Barclays in einer Studie Ende Februar feststellten. Bislang hat sich das allerdings im laufenden Jahr nicht geändert: Der Stoxx 600 ist um 3 Prozent vorgerückt, während der S&P 500 um 6 Prozent anstieg (Stand Donnerstagmittag).

"Europäische Unternehmen sind an Gewinnsteigerungen seit nahezu sieben Jahren gescheitert, während in den USA die Gewinne wieder auf die Höchststände des letzten Zyklus gestiegen sind", hiess es von den Barclays-Strategen. Wenn auch die Inflation wieder anziehe, so können die Unternehmen auch wieder ihre Preise anheben, was überdies die Margen in Europa verbessern werde.

(Bloomberg)