Warnung an Trump - Grösste US-Gläubiger stossen Staatsanleihen ab

Im Trump-Zeitalter denken die grössten ausländischen Gläubiger Amerikas plötzlich zweimal darüber nach, ob sie die US-Regierung finanzieren sollen.
13.02.2017 19:20
Trotz Trump-Skepsis: Der Dollar bleibt eine beliebte Anlage.
Trotz Trump-Skepsis: Der Dollar bleibt eine beliebte Anlage.
Bild: ZVG

In Japan, wo die grössten Bestände an US-Staatsanleihen (Treasuries) gehalten werden, haben Investoren im Dezember die Wertpapiere so stark abgestossen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Sie verkauften 21,3 Milliarden Dollar an Treasuries, wie aus den jüngsten Daten des Finanzministeriums hervorgeht. Was auffällt ist, dass die Verkäufe in einer Zeit anhalten, in der Auslandanlagen selten so attraktiv waren. Und es sind nicht nur die Japaner. Überall auf der Welt ziehen sich Ausländer von den US-Anleihen zurück wie nie zuvor.

Von Tokio über Peking bis London herrscht Konsens: Nur wenige Investoren wollen derzeit in den US-Treasury-Markt mit einem Volumen von 13,9 Billionen Dollar einsteigen. Ob es die Aussichten auf höhere Defizite und höhere Inflation unter Präsident Donald Trump sind oder höhere Zinsen von der Federal Reserve - der sicherste Anleihemarkt der Welt scheint eine weniger sichere Sache zu sein, zumal nach dem Anstieg der Renditen seit November. Und dann ist da Trumps Vorliebe für das Säbelrasseln, die es umso einfacher macht, zu Hause zu bleiben.

Immer noch riesige Bestände an US-Anleihen im Ausland

"Aufgrund von politischer Unsicherheit dürfte es dieses Jahr schwieriger als üblich für japanische Investoren sein, in Treasuries zu investieren", sagt Kenta Inoue, Chefstratege ausländische Bondinvestments bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities in Tokio. "Die Treasuries-Renditen dürften in naher Zukunft rapide steigen, was Investoren weiterhin von aggressiven Käufen abhalten wird."

Niemand sagt indes, dass Ausländer die US-Staatspapiere gänzlich abstossen werden. Sie halten immer noch 5,94 Billionen Dollar an Staatsanleihen oder rund 43 Prozent des Marktes. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 56 Prozent. Eine deutliche Verringerung ihrer Bestände kann die grössten Gläubiger Japan und China ebenso schädigen wie die USA.

Zuletzt hat steigende Nachfrage im Heimatmarkt die zunehmenden Verläufe von Ausländern kompensiert. Seit die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen Mitte Dezember auf 2,64 Prozent stieg, ist sie wieder gesunken und für dieses Jahr praktisch unverändert. Am Montagmorgen stieg die Rendite um 1,4 Basispunkte auf 2,42 Prozent.

Billige Refinanzierung wird für USA schwieriger

Nichtsdestotrotz könnte eine beständig niedrigere ausländische Nachfrage nach Staatsanleihenanhaltende Konsequenzen für die Fähigkeit der USA haben, sich billig zu refinanzieren - insbesondere unter dem Eindruck der ambitionierten Pläne Trumps, die Infrastrukturausgaben zu erhöhen, die Steuern zu senken und "America first" zu propagieren. Der Präsident hat Japan, China und auch Deutschland an den Pranger gestellt und wirft ihnen vor, ihre Währungen abzuwerten, um im Handel unfaire Wettbewerbsvorteile zu gewinnen.

(Bloomberg)