Handel mit Deutschland legt 2016 erstmals seit 2008 wieder zu

Deutschland ist auch 2016 wichtigster Handelspartner der Schweiz gewesen. Nach Jahren des Rückgangs hat sich das Gesamthandelsvolumen (Importe plus Exporte) im vergangenen Jahr wieder stabilisiert, wie die Handelskammer Deutschland-Schweiz am Freitag mitteilte.
31.03.2017 11:08

Die Summe aus Ein- sowie Ausfuhren stieg 2016 um 5,5 Prozent auf 88,2 Milliarden Franken. 2015 waren das gesamte Handelsvolumen noch um rund 7 Prozent auf 84 Milliarden Franken eingebrochen. Im Rekordjahr 2008 lag es allerdings noch bei knapp 107 Milliarden Franken und damit um rund 18 Milliarden höher als 2016.

Ralf Bopp, Direktor der Handelskammer Deutschland-Schweiz, erklärt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda das deutlich geringere Handelsvolumen zwischen den beiden Nachbarländern mit Verschiebungen der Anteile der Welthandelsströme zugunsten asiatischer Länder, insbesondere Chinas.

China sei 2016 das sechstwichtigste Exportland der Schweiz gewesen. 2008 habe China hingegen noch nicht zu den zehn ersten Exportländer der Schweiz gezählt und sei noch summarisch unter den Schwellenländern aufgeführt gewesen, sagte Bopp.

Deutschland verteidigte im vergangenen Jahr aber seine Stellung als grösster Handelspartner der Schweiz. Deutschland verzeichnet einen fast doppelt so hohen Anteil am gesamten Aussenhandel der Schweiz wie die USA, die an zweiter Stelle folgen. Dreimal so hoch ist der Anteil im Vergleich zu Italien auf Rang 3.

Damit ist Deutschland wichtigster Exportkunde und Beschaffungsmarkt der Schweizer Wirtschaft. Fast 19 Prozent der Schweizer Exporte wurden nach Deutschland geliefert. 28 Prozent der Schweizer Importe kamen aus dem nördlichen Nachbarland. Die Importe erhöhten sich innert Jahresfrist um 3,3 Prozent auf 48,5 Milliarden Franken und die Exporte um 8,3 Prozent auf 39,7 Milliarden Franken.

Die Handelskammer geht davon aus, dass die Bedeutung des Exportmarktes Deutschland für die Schweiz auch in Zukunft kaum abnehmen wird. Auch wenn Märkte wie USA und China in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht gewonnen haben.

Gerade für KMU böten die Marktnähe, ähnliche Geschäftsgepflogenheiten und Kontrakts- sowie Zahlungssicherheit klare praktische Vorteile. In vielen Fällen lohne es sich eher, die Marktposition in Deutschland auszubauen als in weit entfernten Exportmärkten Qualitäts- und Zahlungsausfallrisiken in Kauf zu nehmen. Für 2017 rechnet die Handelskammer mit einem Zuwachs des Aussenhandels Deutschland-Schweiz um 4 Prozent.

Auch bei den Direktinvestitionen zeigt sich eine enge wirtschaftliche Verflechtung. Schweizer Unternehmen hätten noch nie so viel in Deutschland investiert wie nach dem Frankenschock, schreibt die Handelskammer.

Die Schweizer Direktinvestitionen stiegen 2016 um 8,1 Milliarden Euro, Ende 2015 war bereits mit 6,0 Milliarden Euro ein Rekordwert erreicht worden. Die Handelskammer Deutschland-Schweiz führt diesen Anstieg von Schweizer Firmenkäufen, Unternehmensbeteiligungen und -gründungen auf die hohe Überbewertung des Frankens zum Euro zurück und auf das robuste Wirtschaftswachstum in Deutschland.

Unternehmen wollten ihre Marktposition in Deutschland ausweiten, aber auch Teile der Produktion dahin verlagern. Auch logistische Aspekte spielten eine Rolle, weil die Schweiz nicht Mitglied der EU-Zollunion ist.

Auch Deutschland investierte 2016 mit einem Wachstum von 4,8 Milliarden mehr in der Schweiz. Sie wollen damit den Markt intensiver bearbeiten und administrative Hürden in der grenzüberschreitenden Geschäftsabwicklung ausschalten. Allerdings beschäftigen die 1906 Schweizer Firmen mit 400'000 Personen in Deutschland mehr als dreimal so viele Beschäftigte wie deutsche Unternehmen in der Schweiz.

(SDA)