Hauptangeklagter im ASE-Prozess nimmt alle Schuld auf sich

Im Betrugsprozess gegen Verantwortliche der ASE Investment vor dem Bezirksgericht Laufenburg AG ist am Mittwoch erstmals der Hauptangeklagte befragt worden. Der ehemalige Geschäftsführer nimmt alle Schuld auf sich.
23.11.2016 15:25

Gleich zu Beginn des dritten Verhandlungstages gab der ehemalige Geschäftsführer eine persönliche Erklärung ab. Für ihn sei es sehr schwer, hier zu sitzen und zu hören, wie er seine Kunden schwer enttäuscht habe, sagte er. Er habe ein wahnsinnig schlechtes Gewissen.

Er sei sich bewusst, dass er auf allen Ebenen versagt habe. Er bat alle Geschädigten um Entschuldigung. Der 50-jährige Mann nahm alle Schuld auf sich und anerkannte die Anklagepunkte der Anklageschrift. Er sei verantwortlich für den Scherbenhaufen.

Den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten der ASE, der sich ebenfalls vor Gericht verantworten muss, nahm er in Schutz. Er habe sein Vertrauen missbraucht, meinte der Geschäftsführer. Er habe alles unternommen, damit der VR-Präsident nichts von den Unregelmässigkeiten mitbekam.

Der Hauptangeklagte schilderte danach, wie er in den ersten Jahren mit dem Devisenhandel tatsächlich Gewinn erwirtschaftet hatte. 2006 resultierte das erste Minus. Er habe sich für diesen Verlust geschämt und ihn verheimlicht. Alles was er danach gemacht habe, habe die Situation verschlimmert.

Der Prozess gegen drei Verantwortliche der ASE Investment begann am Montag. Drei Angeklagten wird vorgeworfen, 2500 Anleger um 170 Millionen Franken geprellt zu haben.

Der ehemalige Geschäftsführer steht wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie wegen mehrfacher Urkundenfälschung vor dem Bezirksgericht. Er befindet sich seit seiner Verhaftung im Frühling 2012 ohne Unterbruch in Haft. Im Februar 2015 trat er den vorzeitigen Strafvollzug an.

Vor Gericht stehen zwei weitere Männer, welche die Anschuldigungen zurückweisen. Der 43-jährige Präsident des Verwaltungsrats der ASE ist wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft angeklagt.

Ein ehemaliger, 53-jähriger ASE-Kundenbetreuer bei der Basler Kantonalbank (BKB) muss sich wegen des Vorwurfs der Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug verantworten. Die BKB war die Depotbank der ASE. Die Kunden überwiesen ihr Geld auf ein BKB-Depot. Die ASE hatte die Vollmacht über die Konten.

Die Anklageschrift umfasst 192 Seiten, mit Anhängen sogar 592 Seiten. Die Akten füllen insgesamt 448 Bundesordner. Von den 2500 Geschädigten beteiligen sich 639 als Privatkläger am Strafverfahren.

Der grösste Teil der Deliktsumme von 170 Millionen Franken dürfte für die Anleger jedoch verloren sein. Der Prozess läuft noch bis nächste Woche weiter.

(SDA)