Heftige Gewitter beenden rekordheissen Nationalfeiertag

Nach dem rekordheissen Nationalfeiertag sind am Abend und in der Nacht auf Mittwoch heftige Gewitter über die Schweiz gebraust. Die Böenspitzen erreichten bis zu 170 km/h. In Eschenz TG fiel innert zehn Minuten soviel Regen wie noch nie.
02.08.2017 15:33

Mit 34 Litern pro Quadratmeter wurde der bisherige Rekord von 33,6 Litern aus dem Tessin egalisiert, wie SRF Meteo am Mittwoch mitteilte. Auch windmässig liess sich das Gewitter nicht lumpen: Besonders vom Nordjura bis an den oberen Bodensee waren die Orkanböen heftig.

Wie MeteoNews mass, wehte es nicht etwa in den Bergen am heftigsten, sondern im relativ tiefgelegenen Marthalen ZH mit 170 km/h. In Leibstadt AG waren es Spitzen von 134 km/h.

Vorangegangen waren den heftigen Gewittern an manchen Orten der heisseste Nationalfeiertag und sogar die höchsten Temperaturen seit Messbeginn. Spitzenreiter war Sevelen SG mit 35,7 Grad.

An über zwanzig Orten im Osten und in den Föhngebieten des Landes wurden Rekordtemperaturen gemessen, wie SRF Meteo weiter schreibt. In Bad Ragaz SG wurden 35,4 Grad erreicht, in Chur 34,9 Grad und in Glarus 34,3 Grad. Ähnlich heiss war es auch in Sitten mit 34,7 Grad und in Altdorf mit 33,9 Grad.

Die heftigen Gewitter am Spätnachmittag und am Dienstagabend liessen manche 1.-August-Feier ins Wasser fallen. Bahnstrecken und Strassen waren teilweise unterbrochen. Am Mittwochmorgen war die SBB-Strecke Ossingen-Stein am Rhein auf der Linie Winterthur-Stein am Rhein noch nicht befahrbar.

Die meisten Schäden verursachten nicht die sintflutartigen Regenfälle oder der Hagel. Vielmehr wehten die Orkanböen Bäume um und führten zu Stromunterbrüchen. Im Kanton Bern etwa waren zeitweise gegen 10'000 Kunden der kantonalen Energielieferanten BKW ohne Strom.

In Appenzell wurde ein Rollerfahrer während des Gewitters am Dienstagabend von einem Ast getroffen. Er zog sich eine Hirnerschütterung sowie Hand- und Schulterverletzungen zu.

In Visp VS geriet am selben Abend eine 33-Jährige unter einen umstürzenden Baum. Sie war mit ihrem einjährigen Sohn auf einem Spaziergang. Während die Mutter Rückenverletzungen davontrug, blieb das Kind unverletzt. Die Frau aus Eritrea musste ins Inselspital nach Bern transportiert werden. In Sitten wurde eine Person durch einen abgebrochenen Ast leicht verletzt.

Die Strasse nach Derborence im Wallis war nach einer Gerölllawine gesperrt. Um die Bewohner ins Tal fahren zu lassen, wurde sie kurzfristig geöffnet und dann zu Kontroll- und Sicherungsarbeiten wieder gesperrt. Die Lawine hatte mehrere Fahrzeuge verschüttet. Verletzt wurde niemand.

Die Thurgauer Kantonspolizei wurde am frühen Mittwochmorgen mit rund achtzig Schadenmeldungen bombardiert. In Eschenz TG musste die Feuerwehr eine 87-Jährige aus ihrer überfluteten Kellerwohnung retten. Die Betagte kam ins Spital. Bahn und Strasse zwischen Eschenz und Steckborn TG waren unterbrochen.

In Wienachttobel AR setzte am Nationalfeiertag der Blitz ein Einfamilienhaus in Brand. Verletzt wurde niemand, die Bewohner waren nicht zu Hause. Ebenfalls ein Blitzschlag war am Dienstagabend schuld am Unterbruch der Zugstrecke zwischen Belp und Seftigen BE. Im aargauischen Fricktal und im Zurzibiet stürzten mehrere Bäume um und Keller liefen voll Wasser.

Aufgrund des Hagels ging der Versicherer Axa Winterthur von 1500 Schadenmeldungen an Fahrzeugen aus. Das dürfte 4,5 Millionen Franken kosten. Die Allianz Suisse rechnet mit 1000 Schadenfällen und einer Schadenhöhe von drei Millionen Franken. Für die Betroffenen eröffnet die Allianz sofort und die Axa am 11. September in Seuzach ZH ein Hagel-Drive-in. Die meisten Schäden gab es in der Region Winterthur. Im Wallis beschädigte der Hagel Rebberge.

Die Gewitter setzten der Hitze kein Ende. Im Tessin gaben die Behörden am Mittwoch eine Hitzewarnung bis Samstag aus und riefen die Bevölkerung auf, sich zu schützen. Die Naturgefahrenstelle des Bundes warnte zusätzlich vor einer Hitzewelle im Zentralwallis und in der Region Genf mit Temperaturen bis 34 Grad.

(SDA)