Herdenschutzhunde führen laut Studie zu weniger Rissen

Herdenschutzhunde und visuelle Abschreckungen wie Flatterbänder halten gemäss einer Studie Wölfe von Schafen und anderen Nutztieren fern. Abschüsse von Raubtieren zeigen hingegen nicht immer die gewünschte Wirkung.
06.09.2016 11:39

Die Forscher stellten anhand von zwölf Studien aus Amerika und Europa fest, dass Nutztiere am besten durch Herdenschutzhunde und visuelle Abschreckungen vor Raubtieren wie Wolf, Bär, Kojote oder Luchs geschützt werden. In 80 Prozent der untersuchten Fälle kamen danach weniger Nutztiere zu Schaden.

Weniger Wirkung zeigten Abschüsse, Giftköder und andere tödliche Methoden: Nur in 29 Prozent der untersuchten Fälle wurden weniger Nutztierschäden durch Raubtiere festgestellt. Das zeigt die im Fachjournal "Frontiers in Ecology and the Environment" publizierte Studie der drei Forscher Adrian Treves, Miha Krofel und Jeannine McManus.

Zum Wolf, der in der Schweiz immer wieder Schafe reisst, nahmen die Forscher sechs Studien unter die Lupe. Bei vier davon wurden Herdenschutzhunde oder Flatterbänder eingesetzt, um Wölfe von Nutztieren fernzuhalten. Diese zeigten überall die gewünschte Wirkung: Die Anzahl Risse ging zurück.

In zwei Wolf-Studien wurde die Wirkung von tödlichen Methoden untersucht. In einem Fall in Nordamerika kam es in der Folge ebenfalls zu weniger Schäden an Nutztieren. In Slowenien hingegen zeigte die Tötung von Wölfen keine Wirkung. Mit der Schweiz ist die Situation allerdings kaum vergleichbar, da in Slowenien mehr Wölfe durch die Wälder streifen als hierzulande.

In manchen Fällen können Abschüsse sogar kontraproduktiv sein, wie die Forscher herausfanden. Das Töten von Kojoten und Pumas in Nordamerika führte in zwei der untersuchten Studien dazu, dass mehr Nutztiere angegriffen wurden.

Bei den sogenannt nicht-tödlichen Methoden wie dem Einsatz von Herdenschutzhunden wurden hingegen keine kontraproduktive Effekte festgestellt. Die Forscher raten daher dazu, vorerst auf das Töten von Raubtieren zur Schadensvermeidung zu verzichten, solange die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist.

Die Ergebnisse seien auch relevant für die Schweiz, teilte der WWF am Dienstag mit. Präventive Abschüsse von Wölfen, wie sie die Revision des Jagdgesetzes vorsehe, seien fragwürdig. Das Risiko, die Situation für die betroffenen Nutztierhalter zu verschlimmern statt sie zu verbessern, sei zu gross, wird WWF-Grossraubtierexperte Gabor von Bethlenfalvy im Communiqué zitiert.

Der Bundesrat will den Schutz von Wolf, Schwan und anderer geschützter Tierarten lockern, wie er vor zwei Wochen bekannt gab. Der Tierbestand soll dezimiert werden dürfen, wenn die Wildtiere grossen Schaden anrichten, Menschen gefährden oder die Artenvielfalt bedrohen. Die Revision des Jagdgesetzes befindet sich bis Ende November in der Vernehmlassung.

(SDA)