Der Nächste bitte! Trump ist Merkels dritter US-Präsident

Am 20. Januar zieht Donald Trump ins Weisse Haus ein. Wieder wird ein sehr ruppiges Verhältnis zwischen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und dem US-Präsidenten erwartet. Wie schon zuvor bei Barack Obama.
15.01.2017 11:04
Angela Merkel: Donald Trump ist bereits "ihr" dritter US-Präsident.
Angela Merkel: Donald Trump ist bereits "ihr" dritter US-Präsident.
Bild: Bloomberg

Das transatlantische Verhältnis wird ruppig werden, lautete die Einschätzung der meisten deutschen Beobachter, als Barack Obama 2009 US-Präsident wurde. Denn die deutsche Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte dem Demokraten im Wahlkampf einen Auftritt am Brandenburger Tor verweigert. Außerdem hatte sie sich sehr gut mit dem umstrittenen republikanischen Vorgänger George W. Bush verstanden.

2017 wirkt die Situation spiegelverkehrt: Am Ende seiner Amtszeit zelebrierte der Demokrat Obama seine enge Freundschaft mit Merkel, und mit Donald Trump zieht ein Republikaner am 20. Januar ins Weiße Haus ein. Und wieder wird ein sehr ruppiges Verhältnis zwischen Kanzlerin und US-Präsident erwartet.

Denn Merkel wird im Trump-Lager nach Angaben von Diplomaten durchaus der verhassten politischen Richtung zugerechnet, für die auch Obama steht. Liberale amerikanische Zeitungen wie die "New York Times" stilisierten die Kanzlerin auch noch zur Führungsfigur der freien, liberalen westlichen Demokratien hoch - und als Gegenmodell zu Trump. Im Wahlkampf hatte Trump Merkel zudem persönlich wegen ihrer Flüchtlingspolitik angegriffen und behauptet, Deutschland versinke in Kriminalität und Chaos. Und inhaltlich wirkt Merkel mit ihrem Bekenntnis zu Freihandel und Klimaschutz sowie ihrem Widerstand gegen neue Schulden geradezu wie ein Gegenmodell zu Trump. Der tritt protektionistisch auf, will Klimaschutzzusagen der USA nicht einhalten und hat ein schuldenfinanziertes riesiges Infrastrukturprogramm angekündigt.

Einfach wird Merkels Umgang mit "ihrem Dritten" nicht

"Dennoch ist es verfrüht, automatisch von einem schlechten Verhältnis auszugehen", sagt Jürgen Hardt, transatlantischer Koordinator der Bundesregierung und außenpolitischer Sprecher der CDU. In seinen Gesprächen in den USA stelle er auch bei den Republikanern vor allem eines fest: "Die Achtung für und der Respekt vor Merkel ist sehr groß", sagt er Reuters. Auch sei mittlerweile klar, dass auch das Trump-Lager sehr wohl zu den transatlantischen Beziehungen und der Nato stehe. "So wie Trump denkt, wird er es außerdem als wichtig ansehen, Kontakt mit der mächtigsten Frau Europas zu halten, nach dem Motto 'Wir Großen müssen zusammenhalten'", erwartet Hardt.

Tatsächlich verlief das erste Telefonat zwischen Trump und Merkel am Tag nach seiner Wahl im November sehr freundlich - auch wenn es kurz war. In Berlin wird damit gerechnet, dass sich beide spätestens auf dem G20-Gipfel im Juli in Hamburg begegnen werden. "Und Merkel wird mit ihrer Art vielleicht auch Trump beeindrucken und eine persönliche Beziehung aufbauen können", sagt Hardt.

Einfach wird Merkels Umgang mit "ihrem Dritten" aber nicht. Denn sie tritt als anti-polarisierende, zurückhaltende Politikerin auf, während Trump bei seinen Auftritten poltert und droht. Eine Twitter-Politik wie beim künftigen US-Präsidenten gilt bei der CDU-Vorsitzenden als undenkbar. Gerade weil Trump andeutet, politische Spielregeln nicht beachten zu wollen, wird er parteiübergreifend in Berlin sehr skeptisch gesehen - auch wenn Merkel seit Monaten jede öffentliche Kritik an Trump bewusst vermieden hat, anders als Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem Begriff "Hassprediger".

Es regiert das Prinzip Hoffnung

Deshalb regiert derzeit das Prinzip Hoffnung: Vorbild könnte in Maßen vielleicht das Verhältnis zu Obama sein, der in der Bundesregierung durchaus ebenfalls als "schwieriger" Präsident galt, heißt es in Regierungskreisen. Der herzliche Abschied verdeckt nur die Erinnerung an den fast frostigen Start, zumal Obama im Umgang mit ausländischen Regierungschefs sehr zurückhaltend war und seine Rückzugspolitik aus Afghanistan und Irak, seine Kritik am deutschen Exportplus sowie die Intervention in Libyen auch im Kanzleramt sehr umstritten waren. Merkel selbst bezeichnete US-Präsidenten etwa in der internationalen Klimaschutzpolitik "immer als schwierige Partner".

Aber vor allem in der zweiten Amtszeit lernten sich Merkels zweiter US-Präsident Obama und die Kanzlerin dann doch schätzen. "Denn eines gilt auf jeden Fall: Jeder US-Präsident braucht am Ende Freunde auf internationaler Ebene, und von denen gibt es nicht so viele", sagt ein deutscher Diplomat. Deutschland sehe sich generell als verlässlicher Partner. Und zumindest in einem Punkt hat Merkel vorgesorgt: Seit Monaten redet sie davon, dass Deutschland mehr Geld für seine Verteidigung ausgeben müsse und sich nicht automatisch immer darauf verlassen könne, dass die USA für den Schutz sorgten. So argumentiert neben Obama auch Trump. 

(Reuters)