Zinssitzung am Donnerstag - «Forward Guidance» der EZB rückt wohl bald ins Rampenlicht

Eine Inflation von zwei Prozent und die Wirtschaft auf stabilem Erholungskurs: Die Rufe nach einer Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) werden immer lauter.
08.03.2017 19:02
Am Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Am Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Pixabay

Damit rückt womöglich bald ein Instrument der Euro-Wächter ins Scheinwerferlicht - der geldpolitische Ausblick, im Fachjargon "Forward Guidance" genannt. Volkswirten zufolge könnte die EZB dieses Werkzeug nutzen, um Investoren an den Finanzmärkten ein erstes Signal für einen späteren Ausstieg aus der vor allem in Deutschland umstrittenen Geldpolitik zu geben. Es folgt eine Übersicht, worum es hierbei genau geht.

Was ist Forward Guidance?

Mit diesem Instrument versuchen Notenbanken, Erwartungen von Investoren zur künftige Ausrichtung der Geldpolitik zu steuern. Denn diese spielen für die Zinsen am Kapitalmarkt eine wichtige Rolle. Direkt beeinflussen können Notenbanken vor allem die sehr kurzfristigen Zinsen. Aber wenn diese - wie aktuell im Euro-Raum - bei null Prozent liegen, werden die Spielräume geringer.

Die EZB gibt den Märkten stets in ihrer Mitteilung zum Zinsbeschluss einen Hinweis. Im Januar etwa bekräftigte sie, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über die Zeit der billionenschweren Anleihenkäufe hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden. Zudem erklärte die EZB, sie sei bereit, ihre Anleihenkäufe hinsichtlich Umfang und/oder Dauer auszuweiten, sollten sich die Aussichten eintrüben oder die Finanzierungsbedingungen nicht weiter verbessern.

Was könnte die EZB änder?

EZB-Direktor Yves Mersch ist unlängst vorgeprescht, die Notenbank solle notwendige Veränderungen in ihrer Kommunikationspolitik nicht verschleppen. Sein Vorschlag: Der Hinweis auf möglicherweise noch niedrigere Zinsen sollte aus der Forward Guidance gestrichen werden. Doch dies ist umstritten. Ein Gegenargument lautet: Die Zeit dafür ist noch nicht reif, einige Monate sollten abgewartet werden. Irlands Notenbankchef Philip Lane zufolge kann die Beibehaltung der Option als Signal an die Märkte verstanden werden, dass die EZB für den Fall der Fälle handlungsbereit ist. Es gebe keinen zwingenden Grund, dies aufzugeben. An den Finanzmärkten sei es ohnehin die zentrale Erwartung, dass die Zinsen nicht weiter gesenkt würden.

Seit wann gibt die EZB eine Forward Guidance?

Sie führte dieses Kommunikationsinstrument erst vor vier Jahren ein. So fand sich nach der Sitzung am 4. Juli 2013 plötzlich folgende Passage in der Mitteilung zum Zinsbeschluss: "Der EZB-Rat erwartet, dass die Schlüsselzinsen der EZB für eine längere Zeit auf dem gegenwärtigen oder einem noch tieferen Niveau liegen werden." Unter der Präsidentschaft von Jean-Claude Trichet, dem Vorgänger von Mario Draghi auf dem EZB-Chefsessel, hatte es stets geheißen, die Notenbank lege sich niemals im voraus fest ("We never precommit").

Gibt es Vorreiter?

Die Zentralbank von Neuseeland nutzte das Mittel bereits 1997. Bis zur weltweiten Finanzkrise von 2008 übernahmen es aber nur wenige Notenbanken, darunter die norwegische und schwedische Zentralbank. In den USA war es 2009 Fed-Chef Ben Bernanke, der Investoren an den Märkten erstmals versprach, die amerikanische Notenbank werde ihren Leitzins "für einen ausgedehnten Zeitraum" bei nahe null Prozent halten. Erste vorsichtige Experimente mit diesem Kommunikationsmittel hatte 2003 bereits sein Vorgänger Alan Greenspan unternommen. Auch bei der Bank von England gehört die Forward Guidance inzwischen fest zum Werkzeugkasten.

(Reuters)