Islamische RepublikIraner befürchten Militärschlag der USA - und die Isolation

Mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump kehrt im Iran die alte Angst vor Krieg zurück.
04.02.2017 13:24
Moschee in der für ihre Bauwerke berühmten iranischen Stadt Isfahan.
Moschee in der für ihre Bauwerke berühmten iranischen Stadt Isfahan.
Bild: Pixabay

Alle Hoffnungen der Iraner ruhten auf dem Atomabkommen, von dem sie sich ein Ende der internationalen Isolation versprachen. Trump hat aber bereits unmittelbar nach seinem Amtsantritt die Gangart gegenüber der Islamischen Republik verschärft, neue Sanktionen verhängt und auch militärische Optionen nicht explizit ausgeschlossen. Auf die neuen Töne aus Washington reagierten die Revolutionsgarden mit wüsten Vergeltungsdrohungen.

"Wenn die USA oder Israel uns angreifen, fahren wir mit dem Auto zur türkischen Grenze", schildert der 65-jährige pensionierte Lehrer Ghorbanali Ashari seinen Fluchtplan. "Ich habe meinen Kindern gesagt, sie sollen immer ihren Pass bereithalten. Ich kann meine Enkel nicht in Angst leben lassen. Es wird ein Blutvergießen geben."

So wie Ashari schmieden derzeit auch andere Iraner Pläne für den Ernstfall. "Ich denke darüber nach, in eine Kleinstadt umzuziehen", sagt Ali Gharweh aus der Metropole Isfahan, die während des Kriegs mit dem Nachbarland Irak von 1980 bis 1988 Ziel von Bombenangriffen wurde. "Dort ist das Leben billiger und sicherer als in großen Städten, die von den Amerikanern bei einem Angriff ins Visier genommen werden könnten."

Auch wenn Beobachter davon ausgehen, dass beide Seiten einer militärischen Konfrontation in der ölreichen Golfregion auf jeden Fall aus dem Weg gehen wollen, deutet sich bereits eine dramatische Verschärfung der Spannungen an. Als Reaktion auf den jüngsten iranischen Raketentest warnte Trump die Führung in Teheran am Freitag, "nicht mit dem Feuer zu spielen", und verhängte Strafmaßnahmen. Der Iran zeigte sich unbeeindruckt und leitete unmittelbar eine Militärübung ein, bei der auch Raketensysteme getestet werden sollen. Und ein General der Revolutionsgarden tönte: "Wenn unsere Feinde auch nur den kleinsten falschen Schritt machen, werden unsere Raketen mit großem Getöse auf sie niedergehen."

"Die Hardliner wollen einen Krieg"

Nach dem Krieg mit dem Nachbarland Irak und jahrzehntelangen Wirtschaftsanktionen stellten sich die Iraner mit dem Abschluss des internationalen Atomabkommens im Jahr 2015 auf ruhigere Zeiten ein. Mit ersten milliardenschweren Wirtschaftsverträgen demonstrierte die Islamische Republik ihre Rückkehr auf den Weltmarkt. Sogar im Verhältnis zum Erzfeind USA standen unter Trumps Vorgänger Barack Obama die Zeichen auf Annäherung. Trump machte aber unverblümt klar, dass die Entspannungsdiplomatie nun zu Ende ist. "Sie wissen es nicht zu würdigen, wie 'nett' Präsident Obama zu ihnen war. Ich bin es nicht!", twitterte er am Freitag.

"Ich habe immer gewollt, dass meine Kinder in den USA studieren", sagt die Ingenieurin Firuseh Hengam. "Aber jetzt sät die neue Regierung nur Hass gegenüber den Iranern." Es mache sich Angst breit, dass der beginnende wirtschaftliche Aufschwung im Keim erstickt werde und mit Trumps aggressiven Tönen auch viele Investoren abgeschreckt würden, sagt der Fabrikbesitzer Omid Sadrsadeh aus Karadsch unweit der Hauptstadt Teheran.

Gleichzeitig spielt Trumps Kurs wenige Monate vor der iranischen Präsidentenwahl in die Hände der Hardliner, die die wirtschaftliche Öffnung mit großer Skepsis sehen und für den Westen tiefes Misstrauen empfinden. "Die Hardliner wollen einen Krieg", sagt ein früheres Mitglied der Führung, das namentlich nicht genannt werden will. "So wollen sie ihre Position stärken. Sie werden alles tun. Um die Spannungen zwischen dem Iran und Amerika zu verstärken."

Der Iran könnte politischen Beobachtern zufolge einen Militärschlag mit Angriffen in der Golfregion oder mit der Schließung der strategisch wichtigen Straße von Hormus kontern. Durch die Meerenge werden rund 40 Prozent der Ölexporte der Golfstaaten befördert. Ins Visier iranischer Raketen könnte auch der Erzfeind Israel geraten.

Bei vielen Iranern mischt sich Resignation in die Sorgen um die Zukunft. "Was auch immer in der Welt passiert - sie machen den Iran verantwortlich", sagt der 16-jährige Arasch Kiai aus Jasd. "Aber warum? Wir sind ein friedliches Volk. Ich unterstütze nicht das iranische Regime, aber Trump hat kein Recht, die Iraner zu erniedrigen. Wenn wir angegriffen werden, werde ich für den Iran kämpfen."

(Reuters)