Ära Trump - Mexikaner überlegen sich Kanada als Auswanderungsziel

Weil Donald Trump die Grenzen abriegeln will, wird Kanada für viele Mexikaner zum Ziel der Sehnsüchte. Aber trotz liberaler Regierung geht auch Kanada streng mit Einwandern um.
19.03.2017 08:46
Die Skyline in der kanadischen Stadt Calgary.
Die Skyline in der kanadischen Stadt Calgary.
Bild: pixabay.com

Seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump steht das Telefon von Marcela Gonzalez nicht mehr still. Früher bekam die Mitarbeiterin einer Kanzlei in Toronto monatlich vier Anrufe von Mexikanern, die bereits in Kanada leben und sich um eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung bemühen. "Heute sind es vier in weniger als zehn Minuten."

Weil Trump der illegalen Einwanderung den Kampf angesagt und die kanadische Regierung fast gleichzeitig die Einreisebestimmungen für Bürger aus dem lateinamerikanischen Land gelockert hat, richtet sich der Blick vieler Mexikaner weiter nördlich.

Das vom liberalen Ministerpräsidenten Justin Trudeau regierte Kanada schaffte im Dezember die Visapflicht für Mexikaner ab. Seitdem hat sich die Zahl der Besucher nach offiziellen Angaben verdreifacht. Viele von ihnen könnten tatsächlich Touristen sein. Doch auch auf Einwanderungsfragen spezialisierte Kanzleien, andere Berater und Menschenrechtler berichten, dass die Zahl der Anfragen von Mexikanern sprunghaft gestiegen ist.

Keine Zukunft in den USA

Das Interesse ist auch in der Stadt Reynosa spürbar, wo es wenige Meter von der texanischen Grenze entfernt ein Aufnahmelager für abgeschobene Mexikaner gibt. Viele erklären dort, dass sie ihr Glück erneut versuchen würden - diesmal weiter nördlich. "Jetzt ist Kanada an der Reihe", sagt etwa der 26-jährige Cenobio Rita, der in Virginia Spielplätze aufbaute und damit nach eigenen Worten 3000 Dollar im Monat verdiente. Dann fand die Polizei Marihuana in seinem Auto und schob ihn in sein Heimatland ab.

Von etwa 30 in Reynosa befragten Mexikanern geben mehr als die Hälfte an, nach Kanada gehen zu wollen. Fast niemand sieht eine Zukunft in den USA, die Trump mit einer Mauer sichern will. Doch obwohl Kanada in den vergangenen Monaten mit einer Art Willkommenskultur für Bürgerkriegsflüchtlinge weltweit Aufsehen erregte, könnten viele Einwanderer aus Mexiko scheitern. Denn die Einreisekontrollen sind teils streng. Und ohne Papiere ist es schwierig, Arbeit zu finden.

Skeptische Grenzbeamte

Manche Bürger aus dem Schwellenland haben auch falsche Vorstellungen darüber, was die Abschaffung der Visafreiheit für sie bedeutet. Die Dokumente wurden zwar mit einer elektronischen Einreisegenehmigung (eTA) ersetzt. Doch diese ist keine Garantie, überhaupt ins Land gelassen zu werden.

Das erfuhr Alejandro Becerra am eigenen Leibe. Der 30-Jährige, der früher als Kassierer bei einer Bank in Mexiko-Stadt arbeitete, hatte sich schon einen Job in der Baubranche in Toronto ergattert. Mit einer eTA flog er in die Millionenstadt und gab bei der Grenzkontrolle vor, Tourist zu sein.

Der Beamte glaubte ihm nicht und kontrollierte auch Becerras Telefon. Darauf waren E-Mails zu finden, in denen es seinen Job in Toronto ging. Der Mexikaner musste die Nacht im Gefängnis verbringen. Am folgenden Tag wurde er in Handschellen zu einem Flugzeug gebracht und in sein Heimatland zurückgeschickt.

(Reuters)