Trump mit Gegenwind - Pläne für Importzölle schrecken US-Wirtschaft auf

Während das Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Ländern die öffentliche Kritik an US-Präsident Donald Trump dominiert, regt sich in der Wirtschaft Widerstand gegen Pläne seiner Partei für Importzölle.
31.01.2017 14:45
Blick auf New York: Mögliche Einfuhrzölle verärgern die US-Wirtschaft.
Blick auf New York: Mögliche Einfuhrzölle verärgern die US-Wirtschaft.
Bild: Pixabay

Die Republikaner erwägen eine 20-prozentige Steuer auf sämtliche Einfuhren, nachdem Trump zuvor eine "Grenzsteuer" ins Gespräch gebracht hatte. Möglicherweise um es sich mit Trump nicht zu verscherzen, suchen Konzerne mit ihrem Protest gegen solche Abgaben zunächst nicht die Öffentlichkeit, sondern den direkten Draht zur Politik. So forderte Toyota Vertreter seiner 1500 US-Autohäuser auf, Abgeordneten des Repräsentantenhauses im persönlichen Gespräch die Zollpläne auszureden.

Toyota argumentiert, wegen des drohenden Geschäftsschwunds künftig nicht mehr so viele Mitarbeiter in den USA beschäftigen zu können wie bisher. Derzeit sind es 40.000 Angestellte sowie über 97.000 Mitarbeiter in den Autohäusern. Nach GM und Ford ist Toyota die Nummer drei auf dem US-Markt, der Konzern importiert rund die Hälfte seiner dort jährlich verkauften 2,4 Millionen Fahrzeuge. Die US-Händlervereinigung schrieb jüngst an 9500 Autohäuser, die Marken wie Toyota, Volkswagen und BMW verkaufen, bei den Steuer-Vorschlägen bleibe einem glatt das Herz stehen.

Lobbygruppen bringen sich in Stellung

Auch bei internationalen Unternehmen anderer Industriezweige wächst die Sorge, dass eine Einfuhrsteuer Produktpreise in die Höhe treiben und Umsätze in den Keller schicken könnte. Und auch hier meiden Kritiker die Öffentlichkeit und konzentrieren sich auf Lobby-Arbeit an der Basis. So schickte der grösste US-Elektronikhändler Bestbuy mit Sitz im US-Bundesstaat Minnesota Unternehmensvertreter nach Washington, um direkt vor dem Kongress Flyer an Abgeordnete zu verteilen. Die Botschaft: Die Steuer drohe Bestbuy in die roten Zahlen zu treiben - nicht zuletzt, weil Online-Rivalen wie Alibaba.com aus China die Zölle durch Direktversand an ihre Kunden umgehen könnten.

Der Chef des ebenfalls in Minnesota ansässigen Einzelhändlers Target, Brian Cornell, reiste persönlich in die Hauptstadt, um Vertreter des für Steuerpolitik zuständigen Ausschusses im Repräsentantenhaus auf Gefahren der Importzölle hinzuweisen: Diese könnten dazu führen, dass sich Amerikaner zentrale Produkte wie im Ausland gefertigte Baby-Ausstattung nicht mehr leisten können, erklärte Cornell.

Auch Industriegrössen wie Koch - der Konzern der den Republikanern nahestehenden Milliardärsbrüder Charles und David Koch - warnen vor den Folgen von Importzöllen für die Verbraucher. Die von den Kochs gegründete Lobby-Gruppe Americans for Prosperity bringt nach eigenen Angaben bereits ihre zwei Millionen Aktivisten gegen das Vorhaben in Stellung.

(Reuters)