Hitzeperioden und schwindender Permafrost: Die Schweiz muss sich für den Klimawandel wappnen

Die Schweiz muss sich an den Klimawandel anpassen. Nicht nur die Reduktion der Treibhausgase als Hauptpfeiler ist dabei ausschlaggebend. Wichtig sind auch Faktoren, welche die Folgen der steigenden Temperaturen abfedern helfen.
28.08.2017 15:09

Trocken- und Hitzeperioden werden häufiger, die Gletscher schmelzen weg. Der Permafrost schwindet. Das wird am Bergsturz von Bondo GR mit seinen acht Vermissten augenfällig, wie Marc Chardonnens, der Direktor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU), am Montag vor den Medien in Bern sagte. Im Aletschgebiet würden Hänge wegen der Gletscherschmelze instabil und müssten jetzt beobachtet werden.

Solche Ereignisse würden zunehmen, erklärte der BAFU-Direktor. Sein Bundesamt stellte in Bern, Liestal und Jussy GE vier Projekte aus einem 31 Projekte umfassenden Pilotprogramm zur Bewältigung des Klimawandels vor.

Die Schweiz ist vom Klimawandel stark betroffen. 2 Grad beträgt die Erwärmung seit dem Messbeginn 1864. Sie ist damit doppelt so hoch wie im weltweiten Mittel (0,9 Grad). Mit der im Klimaübereinkommen von Paris festgelegten durchschnittlichen Erwärmung von 2 Grad im Maximum könnte die Temperatur in der Schweiz bis 2060 um zusätzliche 1 bis 3 Grad steigen.

Dafür gilt es sich auf allen Ebenen zu wappnen, wie Chardonnens ausführte. Es sei tatsächlich besser, sich bereits heute vorzubereiten, statt nachträglich die Schäden zu beheben, die durch den Klimawandel verursacht würden. Dafür müssten sich alle engagieren - Kantone, Regionen, Städte, Gemeinden, Unternehmen und die Bevölkerung.

Zahlreiche Kantone, Regionen und Gemeinden hätten eigene Strategien ausgearbeitet und Anpassungsmassnahmen entwickelt. Eine Risikoanalyse des BAFU mit Fallstudien in acht Kantonen wird Ende Jahr vorgestellt.

Von den beiden in Bern am Montag in Bern präsentierten Projekten befasste sich jenes des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts mit der Hitze und der Sterblichkeit.

Wie Martin Röösli von dem Institut erklärte, gab es im Hitzesommer 2003 rund 1000 zusätzliche Todesfälle, 2015 waren es 800. In den acht von ihm untersuchten grössten Städten stieg die Zahl der zusätzlichen Todesfälle bei 32 Grad um 12 Prozent. Risikogruppen sind ältere oder ganz junge Menschen.

Ursache für die höhere Sterblichkeit sind nicht unbedingt die Tagestemperaturen sondern die Tropennächte mit über 20 Grad. Da könne sich der Körper anfälliger Personen nicht mehr recht erholen. Röösli und seine Mitforscher stellten auch fest, dass in Städten der West- und Südschweiz, wo in den Jahren nach 2003 Hitzemassnahmen getroffen wurden, die Zahl der hitzebedingten Todesfälle sank.

Überhaupt sind die Städte Hitzefallen, weil sie wegen der dichten Bebauung viel weniger auskühlen als das Umland. Umso wichtiger sind deshalb Bäume, Parks und Durchzugsschneisen für die Luft. Wie Jürgen Blaser und Oliver Gardi von der Fachhochschule Bern sagten, senken Bäume dank Beschattung und Wasserverdampfung die städtischen Temperaturen.

Die Fachhochschule untersuchte die Bewirtschaftung von Bäumen in Bern. Dabei zeigte sich, dass einige Stadtbäume wie die Rosskastanie oder die Sommerlinde wenig resistent sind gegen Hitze und Trockenheit.

Gemäss Klimamodellen wird das Schweizer Wetter der Zukunft etwa dem Festlandklima auf dem Balkan entsprechen. Entsprechend muss die Bepflanzung des städtischen Raums aussehen. Dazu schauten die Forschenden nach Zagreb und empfehlen Bäume, die dort gedeihen.

Das wichtigste Instrument im weltweiten Kampf gegen die Erwärmung ist die massive Senkung des Ausstosses von Treibhausgasen. Im Rahmen des Pariser Klimaübereinkommens hat sich die Schweiz verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. 30 Prozent der Reduktion soll im Inland und 20 Prozent im Ausland erfolgen. Derzeit läuft die Referendumsfrist gegen das grüne Licht der Eidgenössischen Räte zur Ratifizierung.

(SDA)